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Wetterthema

23.09.2022

Merdionale Temperaturunterschiede

Unter meridionalen Temperaturunterschieden versteht man die Temperaturdifferenz zwischen nördlichen und südlichen Breiten. Sie hängen vor allem vom Sonnenstand und damit der Jahreszeit ab und prägen wiederum stark den Charakter unseres Wetters.

Die Sonne versorgt die Erde mit kurzwelliger Strahlung, zu welcher zu einem großen Teil das für uns sichtbare Licht beiträgt. Gleichzeitig gibt die Erde, die für uns nicht sichtbare, langwellige Strahlung ab. Über den gesamten Globus und über einen längeren Zeitraum gemittelt stellt sich ein Gleichgewicht zwischen Ein- und Ausstrahlung ein. Regional kann jedoch die eine oder die andere Komponente überwiegen. Für unsere mittleren Breiten ist dabei vor allem ein Blick in die Polarregionen wichtig.

Im Sommer, wenn in diesen Gebieten Polartag herrscht, scheint die Sonne praktisch rund um die Uhr. Sie steht zwar ziemlich flach, nichtsdestotrotz überwiegt die Einstrahlung die Ausstrahlung und die Polarregionen wärmen sich auf. Und sie tun dies sogar stärker, als die subtropischen Gebiete südlich von uns. Insgesamt verringern sich somit die Temperaturunterschiede zwischen Norden und Süden und sind im Hochsommer über das Jahr betrachtet am kleinsten.

Unserer Abbildung listet die entlang zweier ausgesuchter Breitengrade der Nordhalbkugel gemittelte Temperatur auf. Dies jeweils für den Januar und den Juli. Die Werte gelten für eine Höhe von circa 900 Meter über dem Meeresspiegel. Im Hochsommermonat Juli herrscht in 20° nördlicher Breite dort im Durchschnitt eine Temperatur von 20 Grad, während in 60° nördlicher Breite entsprechend 8 Grad beobachtet werden. Als Differenz, das heißt als Temperaturschied zwischen Süd und Nord, ergibt sich ein ein Wert von 12 Grad.

In der winterlichen Polarnacht fehlt die Einstrahlung in den nördlichen Breiten fast völlig. Zudem strahlen die dann oft schneebedeckten Flächen ganz besonders effektiv Wärmestrahlung ab, so dass sich die Polarregionen kräftig abkühlen. Auch die subtropischen Regionen erhalten im Winter weniger Sonnenstrahlung, kühlen sich aber bei weitem nicht in diesem Maß ab. Im Hochwinter erreichen die meridionalen Temperaturunterschiede damit ihr Maximum, wie auch die Werte in der Tabelle bestätigen. Im Januar stehen 17 Grad im Süden, -11 Grad im Norden gegenüber, woraus eine Temperaturdifferenz von 28 Grad folgt. Im Vergleich zum Sommer hat sich diese somit mehr als verdoppelt.

Da die Entwicklung der Hoch- und Tiefdruckgebiete der mittleren Breiten von diesen Temperaturdifferenzen stark mit abhängt, prägen sie letztlich auch in großem Maß unser Wetter. Dabei gilt, je größer die Temperaturspanne zwischen Norden und Süden ist, desto kräftiger können die Druckgebilde werden. Eine Folge davon ist, dass wir mit Sturm- oder Orkantiefs fast ausschließlich im Winterhalbjahr rechnen müssen.


Freitag, 23. September 2022

Dipl.-Met. Rainer Behrendt,
ARD-Wetterkompetenzzentrum

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