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Wetterthema

01.12.2021

Die Jahresamplitude

In unseren Breiten sorgen die Jahreszeiten mit ihren unterschiedlichen Temperaturen für Abwechslung. Doch wie groß ist eigentlich der Temperaturunterschied zwischen dem kältesten und dem wärmsten Monat? Ist er überall in Deutschland gleich groß?

Die im Mittel tiefsten Temperaturen werden in Deutschland im Januar und die höchsten im Juli erreicht. Lediglich direkt an den Küsten von Nord- und Ostsee ist der Februar im Schnitt noch etwas kälter als der Januar und der August etwas wärmer als der Juli. Um die Ausprägung der Jahreszeiten zu zeigen, betrachten wir also den Temperaturunterschied zwischen Januar und Juli, den man auch Jahresamplitude nennt. Und dieser ist in Deutschland nicht einheitlich. So schwankt die Temperatur Dank der Jahreszeiten im Emsland und im Hohen Venn um weniger als 15 Grad, während dieselbe Differenz an der unteren Donau über 20 Grad groß ist.

Die Jahresamplitude wird durch die Lage zu den Meeren und Landmassen bestimmt. Sie ist über den Kontinenten sehr viel größer als über den Wasserflächen, weshalb man auch von „Kontinentalität“ spricht. Ursache hierfür ist das unterschiedliche Volumen, welches im Winter abgekühlt und im Sommer erwärmt werden muss. Über dem Festland handelt es sich nur um die obersten Schichten des Erdbodens. Die Meere durchmischen sich aufgrund der Strömungen jedoch ständig, so dass eine wesentlich dickere Schicht an den Temperaturschwankungen beteiligt ist. Somit bleiben die Temperaturunterschiede über dem Wasser und auch über den angrenzenden Landmassen klein, sofern der Wind dort vom Wasser her weht. Im Norden Deutschlands sind die Temperaturschwankungen aufgrund der Nähe zu Nord- und Ostsee gering. Aber auch im Westen ist häufig Meeresluft wetterbestimmend, welche mit den in Deutschland vorherrschenden Westwinden vom Atlantik herangeführt wird. Somit erklärt sich das Gefälle der Jahresamplitude zwischen dem Südosten und dem Nordwesten Deutschlands.

Neben der Lage zu den Meeren ist aber auch die Höhenlage wichtig für das Ausmaß der jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. Selbige sind in den Niederungen größer als im Bergland. In winterlichen Hochdruckgebieten liegt in den Tieflagen oft eine Kaltluftschicht, während es in den Hochlagen sonnig und mild ist. So erklärt sich, warum die Temperaturschwankungen am Oberrhein größer sind als im östlicher gelegenen Schwarzwald. Auch die Alpenregion hat eine relativ geringe Jahresamplitude. An der unteren Donau ist sie besonders groß. Dort hält sich winterliche Kaltluft oft sehr zäh, auch dann wenn eine Milderung aus Südwesten die Kaltluft im übrigen Bayern schon ausgeräumt hat.

Die geringste Jahresamplitude Europas kann man in Irland mit lediglich 8 bis 10 Grad beobachten. Der Weltrekord stammt aus Ostsibirien. In Werchojansk ist der Januar im Schnitt -46 Grad kalt, während es der Juli auf +15 Grad bringt. Daraus ergibt sich die unglaubliche Differenz von 61 Grad!

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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