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Wetterthema

30.11.2021

Die Schneefallgrenze

Das wechselhafte Wetter bleibt uns bis auf Weiteres erhalten. Immer wieder ist mit Niederschlägen zu rechnen, die zum Teil kräftig sind. Dabei entscheidet die Schneefallgrenze darüber, was unten ankommt. Wo wird sie liegen?

In höheren Luftschichten herrscht üblicherweise Frost und Niederschläge treten in Form von Schnee auf. Dabei bleibt es auch, bis die Schneeflocken die Frostgrenze erreichen. Doch sie schmelzen nicht sofort, wenn sie in wärmere Luftschichten mit Plusgraden fallen. Das Schmelzen dauert eine gewisse Zeit. Es entsteht eine Übergangsschicht, in der es sowohl Regen, als auch Schnee gibt. Sie kann viele hundert Meter dick sein. Als Schneefallgrenze hat man die Höhe definiert, in der nur noch die Hälfte des Niederschlags in Form von Schnee vorliegt.

Bei sehr feuchter Luft beginnt der Schnee sofort zu schmelzen, wenn er Luftschichten mit einer positiven Temperatur erreicht. Ist die Luft jedoch trocken, so sublimiert ein Teil des Schnees, er geht also direkt von der festen Phase in die Dampfphase über. Dabei wird Energie aufgebraucht, weshalb es auch bei Plusgraden noch nicht sofort zur Schneeschmelze kommt. In trockener Luft kann es selbst bei +8 Grad noch schneien. Dementsprechend liegt die Schneefallgrenze dann weit unterhalb der Frostgrenze.

Bei wechselhaftem Wetter, wie aktuell, schwankt die Schneefallgrenze häufig sowohl räumlich, als auch zeitlich stark. Schuld daran sind unterschiedliche Luftmassen, die dicht nebeneinander liegen und sich an einem bestimmten Ort rasch einander ablösen. Nach dem relativ kalten Wochenende wird nun mit einer Warmfront milde Luft herangelenkt. Dabei schneit es gebietsweise kräftig, ehe die Schneefallgrenze deutlich ansteigt. Am Mittwoch liegt sie vorübergehend über 1000 Metern Höhe, im Süden höher als im Norden. Dann taut es bis ins höhere Bergland. Am Donnerstag sinkt sie unter Zufuhr von kalter Meeresluft aus Nordwesten wieder deutlich ab. Am kommenden Wochenende steigt sie vorübergehend wieder an, um in weiterer Folge erneut zu sinken.

Die Ausbildung einer Schneedecke hängt jedoch nicht nur von der Schneefallgrenze ab. In den meisten Fällen bleibt der Schnee 200 bis 300 Meter oberhalb der Schneefallgrenze auch tatsächlich liegen. Im Einzelfall kann das aber deutlich anders sein. Ist der Boden nach einer milden Phase noch warm, tut sich der Schnee deutlich schwerer. Nach einer Kältewelle bleibt hingegen jede Flocke liegen. Ganz entscheidend ist, wie viel Niederschlag überhaupt fällt. Am Freitag, wenn es am kältesten ist, bleibt es trocken. Spannend wird es für das Flachland eher am Donnerstag und möglicherweise auch am Sonntag. Dann besteht in Norddeutschland die Chance auf Niederschläge bei zugleich niedriger Schneefallgrenze, die zumindest gebietsweise auch zur Ausbildung einer Schneedecke reichen dürften. Im Bergland wird es in dieser Woche immer wieder schneien.

Die Angabe einer Schneefallgrenze stellt in der Regel eine Vereinfachung dar. In der Realität kann sie sich durch lokale Gegebenheiten deutlich ändern. Fällt kräftiger Niederschlag längere Zeit in ein und dieselbe Luftmasse, sinkt sie ab. Das fortwährende Schmelzen entzieht der Luft Wärme. Dieser Effekt der Niederschlagskühlung funktioniert bei schwachem Wind und besonders in von höheren Bergen umgebenen Tälern gut. In den Alpen gab es schon Fälle, in denen die Schneefallgrenze während eines Niederschlagsereignisses um über 1000 Meter tiefer sank, als es die Luftmasse eigentlich erwarten ließ. So konnte sich am 8. Juni 1956 bei Innsbruck eine Schneedecke ausbilden und am 19. Juli 1981 schneite es in Tirol bis auf 800 Meter herab. Bemerkenswert war auch ein Wetterereignis am 3. Mai 1987. Während eines Besuchs des damaligen Papstes sank die Schneefallgrenze in Bayern bis in die Niederungen ab, woraufhin der verantwortliche Tiefausläufer auch als Papstfront bezeichnet wurde.

Dienstag, 30. November 2021

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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