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Wetterthema

29.11.2021

Erster Versuch des Winters

Am vergangenen Wochenende hat ein Tiefdruckgebiet über Mitteleuropa für unbeständiges Wetter gesorgt. In Teilen des Landes fiel bei Zufuhr von kalter Meeresluft Schnee. Wie viel Winter hat es dabei gegeben und was kommt als Nächstes?

Die Situation am Wochenende war im Vorfeld von den Vorhersagemodellen relativ gut erfasst worden. Für die meisten Bundesbürger bringt kalte Meeresluft im November kein echtes Winterwetter. Die Schneefallgrenze schwankt in der Regel um 300 Meter, liegen bleibt er oftmals erst ab 500 Metern Höhe. Die durchschnittliche Höhe von Deutschland hingegen beträgt 263 Meter. Dieser Wert mag etwas überraschen, man wäre geneigt zu vermuten, dass er höher liegt. Der Alpenanteil Deutschlands ist aber so gering, dass die paar wenigen hohen Gipfel den Durchschnitt nur wenig anheben. Ein großes Gewicht hat hingegen das Norddeutsche Tiefland, welches sich nur knapp über dem Meeresniveau befindet. Und dort liegen die beiden größten Städte, Berlin und Hamburg.

Es ist nicht immer einfach, einen Wetterbericht so zu verfassen, dass sein Inhalt beim Konsument richtig ankommt. Selbstverständlich gehörten Hinweise auf Winterwetter in den vergangenen Tagen in die Wetterberichte. Von der Fläche her war jedoch höchstens ein Viertel des Landes betroffen. Da nahezu alle Ballungsräume keinen Schnee abbekommen haben, war der Anteil der Bevölkerung mit echtem Winterwetter noch geringer als 25 Prozent. In einem guten Wetterbericht hätte man heraushören müssen, dass der angekündigte Winter auf eine Minderheit beschränkt bleibt. Leider kann man den Schnee in den Niederungen bei solchen Wetterlagen nicht generell ausschließen. In einzelnen starken Schauern sinkt die Schneefallgrenze dann doch mal bis ganz nach unten ab. Und wenn es stark genug schneit, taut es langsamer, als es nachschneit. Und dann wird es doch mal kurz weiß, wie am Montagmorgen in Legden.

Kritisch sind Wetterberichte, deren Hauptziel es ist, für Aufmerksamkeit zu sorgen. Im Internet sind die Zugriffe viel Wert, bei Zeitungen die Anzahl der verkauften Exemplare. Schnell kann es passieren, dass eine Schlagzeile zu sehr im Vordergrund steht. Wenn der Leser wiederholt etwas von Schneebomben und Schneewalzen liest, wundert er sich vielleicht, wenn er keinen Schnee zu Gesicht bekommt. Durch solche Übertreibungen leidet die Meteorologie als Ganzes. Es entsteht unnötigerweise der Eindruck, dass die Wetterberichte oftmals nicht stimmen.

Wie auch immer, zumindest im höheren Bergland konnten sich Besucher am Wochenende über den Winter freuen. Auf dem Kahlen Asten lagen am Montagmorgen 9 Zentimeter Schnee, auf dem Feldberg im Schwarzwald 31 Zentimeter. Am Sonntag war es nur unwesentlich weniger. Und was kommt nun?

In der Nacht zu Dienstag und am Dienstag überquert uns eine Warmfront von Westen her. Dabei gibt es verbreitet neue Niederschläge, die in der Nordwesthälfte rasch in Regen übergehen. In der Südosthälfte schneit es am Dienstag noch für lange Zeit, ehe es auch dort milder wird. Dort wird man also selbst in den jetzt noch schneefreien Gebieten vielfach für ein paar Stunden Schnee sehen, im Bergland kommen einige Zentimeter hinzu. Spätestens am Mittwoch taut der Schnee in den Niederungen wieder weg. In weiterer Folge bleibt es unbeständig mit einem Wechsel aus milderen Phasen und vor allem im Bergland winterlichen Episoden.

Montag, 29. November 2021

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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