Wetterthema | tagesschau.de

Wetterthema

13.10.2021

Vorhersageregionen

In den Wetterberichten werden eine Reihe von Begriffen verwendet, um das Wetter verschiedenen Regionen zuzuordnen. Optimalerweise sollte der Konsument der Vorhersagen wissen, in welchen Vorhersageregionen er lebt.

Unsere Abbildung zeigt in ihrem linken Teil die am häufigsten verwendeten Vorhersageregionen. Diese sind nicht auf den Kilometer genau definiert, würden mehrere Meteorologen diese Karte erstellen, gäbe es sicher kleine Unterschiede. Im Großen und Ganzen werden aber in den meisten Wetterberichten in etwa diese Abgrenzungen vorgenommen. Ebenfalls Verwendung finden die im rechten Teil aufgelisteten Zuordnungen. Jeder Bundesbürger kann in den Wetterberichten auf mehrere Arten adressiert werden. Wer beispielsweise in Karlsruhe wohnt, kann sich in den Vorhersagetexten angesprochen fühlen, wenn vom Südwesten, Süden, der Westhälfte, der Südwesthälfte, der Südhälfte, dem Oberrhein oder von Baden-Württemberg die Rede ist. Er ist auch gemeint, sofern ein einheitlicher Text für ganz Deutschland vorliegt, was an Tagen mit im ganzen Land einheitlichem Wetter der Fall ist. Die gängigen Vorhersageregionen überlappen sich also.

Im Optimalfall würde jedem Ort in Deutschland dieselbe Aufmerksamkeit geschenkt werden. Doch das ist nur schwer zu bewerkstelligen, da in einem Wetterbericht alle markanten Ereignisse vorkommen sollten. Und diese sind nicht gleichmäßig über das Land verteilt. Eine Untersuchung von hundert zufällig ausgewählten Wetterberichten der ARD aus den vergangenen 12 Monaten, bei denen alle Jahreszeiten gleichermaßen berücksichtigt wurden, hat folgendes gezeigt: Im Abschnitt der Temperaturen werden der Oberrhein, die Lausitz, bei Föhnlagen der Alpenrand und im Winter der Nordwesten überproportional häufig genannt, um den höchsten Wert zu zeigen. Für eine Nennung der niedrigsten Temperatur werden häufig das Bergland, die Alpentäler oder im Winter auch der Osten beehrt. Im Windteil der Wetterberichte kommen sehr häufig die Küsten und die höheren Mittelgebirge vor, weil dort die größten Geschwindigkeiten erreicht werden.

Auch bei der Beschreibung des Wetterzustandes, also dem wichtigsten Bestandteil eines Wetterberichtes, gibt es Besonderheiten. Fast exakt ein Fünftel aller untersuchten Texte verwendete als Vorhersageregion einfach das ganze Land, weil das Wetter überall ähnlich war. Dabei kann es sich um landesweit sonnige Tage handeln, aber auch um solche, wo es überall wechselhaft mit Schauern ist. An den restlichen 80 Prozent der Tage gab es markante Unterschiede innerhalb von Deutschland, so dass verschiedene Vorhersageregionen angesprochen werden mussten. Recht selten erfolgte die Abgrenzung nach Bundesländern oder Flüssen. Das Wetter hält sich einfach nicht an diese Grenzen. Recht selten klappt es auch mit einer Halbierung des Landes. Die acht möglichen Hälften Deutschlands kamen nur in 7 Prozent der Texte zum Einsatz. Den Löwenanteil machen die nach den Himmelrichtungen benannten Vorhersageregionen aus. Sie kamen in über der Hälfte aller Wetterberichte vor. Und hier ergibt sich bei näherem Hinschauen eine interessante Verteilung. Am seltensten wurde der Nordwesten genannt, am häufigsten der Südosten, gefolgt vom Süden.

Der Südosten, also das in der Abbildung rot markierte Gebiet, macht etwa 7 Prozent der Fläche Deutschlands aus. Für diese Region wurden jedoch 16 Prozent aller Wörter der untersuchten ARD-Wetterberichte verwendet. Eine solche Überrepräsentation schaffte keine andere Region. Der Grund hierfür ist, dass Südbayern an vielen Tagen eine Extrawurst darstellt. Dort gibt es Föhn, Stauniederschläge und immer wieder Unwetter durch Gewitter.

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

Alle Wetterthemen

Darstellung: