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Wetterthema

11.10.2021

Morgenrot, Schlechtwetterbot

Der Morgen des heutigen 11. Oktober hat in Teilen Deutschlands Fotomotive geboten, die sich meteorologisch erklären lassen. Das war einerseits ein Morgenrot und andererseits Nebel in unterschiedlicher Ausprägung, wie er für den Herbst typisch ist.

Ein Morgenrot ist dann besonders schön, wenn Wolken mit im Spiel sind, die von der Sonne rot angestrahlt werden. Damit das möglich ist, müssen sich die Wolken an der richtigen Stelle befinden, nämlich oberhalb und östlich des Beobachters. In weiterer Entfernung muss der Himmel aber in Richtung der aufgehenden Sonne frei von Wolken sein. Nur dann kann das Sonnenlicht die Wolken im Umfeld des Beobachters erreichen. Idealerweise zieht eine Wolkenfront von Westen auf, die dann in den meisten Fällen tatsächlich Schlechtwetter im Gepäck hat. Wenn der Himmel über Polen und Tschechien zugleich noch wolkenfrei ist, kann es in Deutschland manchmal ein Morgenrot geben, das große Landesteile betrifft. Je höher die Wolken liegen, desto größer darf die Entfernung des wolkenlosen Gebietes sein. Im Falle von Zirruswolken schafft es die Sonne noch in mehreren hundert Kilometern Entfernung zum Rand der Wolken, ein Morgenrot zu erzeugen. Im Juni geht die Sonne im Nordosten auf. Dann ist es optimal, wenn die Wolken von Südwesten her kommen. Im Dezember hingegen sollten sie für ein prächtiges Morgenrot besser aus Nordwesten heranziehen. Am morgen des heutigen 11. Oktober hat es in einem Streifen von der Pfalz und Nordbaden über Südhessen bis nach Franken gepasst. Die Fotos entstanden bei Speyer. Auf dem Satellitenbild sieht man dort Wolken, sie lagen etwa in 5 Kilometern Höhe. Nördlich der Donau war der Himmel klar, was das Morgenrot in Speyer ermöglichte. Bei tiefliegenden Wolken wäre die Entfernung zum klaren Gebiet zu groß gewesen.

Typisch für den Herbst waren einige Nebelfelder. Im Satellitenbild erkennt man sie sehr schön am Bodensee und entlang der Donau. Bei Speyer gab es über den Seen flache Nebelschwaden. Sie entstehen, wenn die Luft deutlich kälter ist als das Wasser. Zur Zeit der Aufnahme lag die Temperatur der Luft bei einem Grad, während das Wasser noch die Wärme des Sommers gespeichert hat. An der warmen Wasseroberfläche verdunstet ein Teil des Wassers. Sobald diese angefeuchtete Luft nur wenige Zentimeter aufsteigt, kommt sie in eine deutlich kältere Umgebung und der Wasserdampf kondensiert wieder. Ebenfalls typisch für den Herbst sind sehr flache Nebelfelder über Wiesen und Äckern, wie sie bei Speyer zu beobachten waren. Der Nebel ist mitunter kaum 2 Meter mächtig. Damit er entstehen kann, muss die Nacht klar und windstill sein. Schon eine leichte Luftbewegung würde diese dünne Nebelschicht zerstören.

Montag, 11. Oktober 2021

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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