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Wetterthema

07.04.2021

Der Fujiwhara-Effekt

Auf der Südhalbkugel vor der Westküste Australiens bahnt sich eine meteorologische Besonderheit an. Zwei tropische Wirbelstürme liegen dort relativ nahe beieinander und drohen in den nächsten Tagen aufeinanderzutreffen.

Tropische Wirbelstürme im Indischen Ozean werden Zyklone genannt. Vom Prinzip her entstehen diese Stürme genau wie die bei uns bekannteren Hurrikans des Nordatlantiks.
Durch warme Meeresoberflächen, geringe Windscherung und dem Zusammenspiel von Verdunstung von Meereswasser und Kondensation des Wasserdampfes entstehen hochreichende Wolkentürme, die sich zu Gewittern entwickeln. Haben sie eine bestimmte Größe erreicht, beginnt sich der Wolkencluster aufgrund der Corioliskraft zu drehen. Auf der Südhalbkugel dreht sich ein tropischer Wirbelsturm mit dem Uhrzeigersinn, also genau andersherum als die Hurrikans auf der Nordhalbkugel. Nach und nach können sich die Stürme intensivieren und bilden im Zentrum einen wolkenfreien Bereich – das Auge aus. Die hochreichenden Wolken direkt um das Auge nennt man Augenwand und dort findet man auch die höchsten Windgeschwindigkeiten. Je nach Windgeschwindigkeit werden sie in fünf unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Zum Vergleich: Ein Zyklon der Kategorie 1 hat mittlere Windgeschwindigkeiten von 63 bis 88 km/h das entspricht etwa 8 bis 10 Bft auf der uns bekannten Beaufortskala.

Vor Westaustralien liegen momentan zwei tropische Tiefdruckgebiete. Eines davon hat sich schon zu einem Zyklon verstärkt und bekam den Namen „Seroja“. Zyklon Seroja liegt ein paar hundert Kilometer nordwestlich von der Stadt Broome und zieht Richtung Südwesten. Das andere tropische Tief, das vermutlich ab Donnerstag Zyklonenstärke erreichen wird, liegt momentan ziemlich genau in der Zugbahn von Zyklon Seroja.

Hier kommt nun der sogenannte Fujiwhara-Effekt ins Spiel. Der Effekt beschreibt das Phänomen, wenn sich zwei tropische Wirbelstürme sehr nahekommen und dann beginnen, umeinander zu rotieren. Dabei beeinflussen die Wirbelstürme die Zugbahn des jeweils anderen und sogar eine Verschmelzung der Stürme ist möglich. Die Vorhersage der Zugbahnen beider Stürme wird dadurch erheblich erschwert, da schon kleinste Änderungen zu großen Abweichungen der vorhergesagten Zugbahn oder Intensität führen können. Benannt wurde der Effekt nach dem Japanischen Meteorologen Fujiwara, nachdem dieser den Effekt 1921 zum ersten Mal beschrieb.


Eine Verschmelzung der beiden Wirbelstürme ist jedoch sehr selten und wird bei diesen beiden Stürmen auch nicht erwartet. Vermutlich werden sie eine Zeitlang umeinander rotieren, sich dann wieder trennen und ihre eigenen Zugbahnen entwickeln. Da diese Zugbahnen nach der Interaktion noch nicht feststehen, ist es auch möglich, dass die Küstengebiete Westaustraliens nochmals von den Stürmen beeinflusst werden, aber das gilt es in den nächsten Tagen zu beobachten. Vorerst spielt sich dieser Tanz der Stürme weit genug entfernt von den Küsten ab, sodass sich die Auswirkungen auf das Land in Grenzen halten.





Mittwoch, 7. April 2021

Pila Bossmann

ARD-Wetterredaktion

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