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Wetterthema

21.12.2020

Wetter auf dem 50. Breitengrad

Nicht überall ist es in unseren Breiten so mild wie hierzulande.

Ein virtueller Flug entlang des 50. Breitengrades führt zu unterschiedlichsten Wetterbedingungen. Neben den kurzfristigen Schwankungen sind auch klimatische Besonderheiten wie die Nähe zum Meer von entscheidender Bedeutung.

Beginnen wir unsere gedankliche Reise am Dienstag in Frankfurt am Main bei 15 Grad, vielen Wolken und Regen und wenden uns westwärts. Der nächste Halt ist Plymouth in Südengland, wo es unter Tiefdruckeinfluss mit 12 Grad ebenfalls mild, regnerisch und windig ist. In der folgenden Nacht kühlt es dort auch nur auf etwa 11 Grad ab - dem maritimen Klima und dem Golfstrom sei Dank.

Auf der anderen Seite des Atlantiks in Sept-Iles an der Kanadischen Ostküste ist es mit einer Höchsttemperatur von minus 3 und nächtlichen Tiefstwerten um minus 5 Grad deutlich kälter. Am Sankt-Lorentz-Strom wirkt sich das Meer zwar auch etwas mildernd aus, die Luft über den weiten Kanadas ist um diese Jahreszeit aber in der Regel schon sehr kalt, wie man in dem ebenfalls auf 50 Grad nördlicher Breite gelegenen Winnipeg spürt. Bei trüben Wetter mit leichtem Schneefall liegt dort die Höchsttemperatur am Dienstag um minus 5 Grad, nachts kühlt es bereits auf minus 13 Grad ab. In den Folgetagen zieht aber ein Tief über die Region ostwärts und lässt dort die Temperatur bis unter minus 30 Grad absinken. Dem Osten Kanadas und der USA beschert dieses Tief zudem über Weihnachten eine heftigen Wintereinbruch mit kräftigen Schneefällen. Auf der weiteren Reise nach Westen erreichen wir die Pazifikküste bei Vancouver, wo am Dienstag 6 Grad bei trockenem und teils freundlichem, teils trübem Wetter erreicht werden. Dank des Einflusses der Kuroshio-Strömung herrscht hier ein für kanadische Verhältnisse besonders mildes Klima.

Ein gewaltiger Sprung über den Pazifik bringt uns nach Manzhouli in Nordchina, wo die Höchsttemperatur derzeit um minus 7 Grad liegt und nachts bis auf minus 14 Grad absinkt. Denn hier ist der Einfluss der riesigen asiatischen Landmasse spürbar. Dieses kontinentale Klima ist durch strenge Winter und warme Sommer charakterisiert. Knapp 2000 km weiter nördlich befindet sich der sibirische Kältepol, wo im Winter Temperaturwerte unter minus 55 Grad keine Seltenheit darstellen. Aktuell werden dort in Oimjakon Werte um minus 50 Grad registriert. Auch in Ulan Bator der Hauptstadt der Mongolei, ebenfalls auf 50 Grad nördlicher Breite gelegen, ist es schon sehr kalt geworden. Tagsüber werden dort aktuell etwa minus 13, nachts um minus 18 Grad gemessen.

In Astana in Kasachstan ist es mit minus 20 Grad ebenfalls schon klirrend kalt. Noch weiter im Westen passieren wir Kiew bei Temperaturwerten um oder nur knapp unter dem Gefrierpunkt unter einer geschlossenen Hochnebeldecke und schließlich Krakau, wo es mit minus 2 Grad im Dauergrau ebenfalls spürbar kälter ist als hierzulande.

Jedoch stellt sich über die Feiertage die Großwetterlage um. Kältere Luftmassen aus nördlichen Breiten in Verbindung mit Niederschlägen, die wohl zumindest in höheren und mittleren Lagen als Schnee fallen. Damit könnte auch bei uns für viele den Wunsch nach Weißer Weihnacht in Erfüllung gehen.

Montag, 21. Dezember 2020

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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