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18.05.2020

Der Zyklon "Amphan" nimmt Kurs auf Westbengalen

Im Indischen Ozean hat die Zyklonsaison begonnen.

Dort braut sich ein schwerer Zyklon zusammen. Der erste Zyklon des Jahres namens "Amphan" hat sich im Golf von Bengalen gebildet und zieht in den kommenden Tagen nordwärts. Besonders häufig bilden sich solche Stürme vor und nach dem Sommermonsun, im Mai und Juni sowie im Oktober und November. "Amphan" trifft am Mittwoch auf die Küste und bedroht vor allem Indien und Bangladesch, nach jetzigem Stand sind vor allem die Gebiete in Westbengalen hauptsächlich betroffen. Wo genau der Zyklon an Land gehen wird, wird in den Modellen noch leicht unterschiedlich berechnet. Der Unsicherheitsbereich ist in der obigen Abbildung in einem gelblichen Ton dargestellt. Es drohen heftige Regenfälle, Wind und eine Sturmflut.

Gestern hatte der Sturm schon die Kategorie vier von fünf auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala erreicht. Dabei lag die Stärke des Windes bei etwa 220 km/h mit steigender Tendenz. Er wird sich zwar auf dem Weg zur Küste leicht abschwächen, allerdings mindert das nicht seine Gefahr. Es werden zum Zeitpunkt des Landfalls immer noch Böen von bis zu 200 km/h vom ECMWF-Modell berechnet, was eine heftige Sturmflut zur Folge hat. Dabei sind Regenmengen über 500 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden zu erwarten. Zum Vergleich: In Berlin liegt die durchschnittliche Jahressumme des Niederschlags bei etwa 600 Litern pro Quadratmeter.

Ein Zyklon ist nichts anderes wie ein Hurrikan oder ein Taifun. Die unterschiedliche Benennung des gleichen Phänomens beruht auf dem Auftreten der geographischen Lage. Die Bezeichnung Hurrikan wird für Wirbelstürme verwendet, die im Atlantik und im Ostpazifik nahe der mexikanischen Küste ihr Unwesen treiben. Im Westpazifik, nördlich des Äquators, nennt man sie Taifun. Im Indischen Ozean und südlich des Äquators spricht man von einem Zyklon.

Wie gefährlich solche Wirbelstürme sein können, zeigt das Beispiel von Hurrikan "Katrina", am 23. bis 30. August 2005. Er kostete in New Orleans etwa 1800 Menschen das Leben. Infolge von Spitzenböen von über 340 km/h und geschätzten Flutwellen bis über 8 Meter Höhe brachen die Deiche des unterhalb des Meeresspiegels liegenden Lake Pontchartrain, wodurch weite Teile der Stadt in den Wassermassen versanken. Im Westpazifik können sich aufgrund der großen freien Wasserflächen die stärksten Stürme auf diesem Planeten entwickeln. Das Zerstörungspotential ist nicht nur durch die Stärke der Stürme bedingt, sondern auch nach der Region, in den dieser auf Land trifft. Im möglichen Einzugsgebiet des Zyklons "Amphan" liegt Kolkata, früher Kalkutta, die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Westbengalen. Dort leben viele Menschen schutzlos auf engem Raum. Das macht ein Zyklon dieser Art extrem gefährlich. Besonders in Erinnerung bleibt der Zyklon "Nargis" im Jahr 2008. Ihm fielen in Birma in Myanmar nach amtlichen Schätzungen mindestens 77 000 Menschen zum Opfer und er gilt bislang als einer der folgenschwersten Wirbelstürme der Geschichte.

Wie kann solch ein zerstörerischer Sturm überhaupt entstehen? Die wichtigste Grundvoraussetzung ist eine hinreichend hohe Temperatur des oberflächennahen Meerwassers. Ab etwa 27 Grad Wassertemperatur verdunstet genug Feuchtigkeit über den Ozeanen, damit eine sog. tropischen Depression, der Vorläufer eines Wirbelsturms, entstehen kann. Damit sich dieses Tiefdruckgebiet in Rotation versetzt, muss die ablenkende Kraft der Erddrehung wirksam werden. Das ist direkt am Äquator nicht der Fall. Erst etwa ab 5 Grad nördlicher bzw. südlicher Breite ist die Wirkung der sog. Corioliskraft stark genug, um einen Wirbelsturm entstehen zu lassen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich der Sturm stärker abschwächt als erwartet und weniger dicht besiedelte Gebiete trifft.

Montag, 18.05.2020

Elias Arndt
ARD-Wetterredaktion

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