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Wetterthema

11.10.2019

Hat es genug geregnet?

Seit dem kalendarischen Herbstanfang am 23. September hat es immer wieder geregnet, im Mittel über ganz Deutschland knapp 100 l/m². Manch einer dürfte ein Sonnenhoch, wie es für den Altweibersommer typisch ist, vermisst haben. Ist die Dürre beendet?

Die Antwort auf diese Frage hängt von der Region und von der Betrachtungsart ab. Das geht aus dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig hervor. Der Oberboden bis in eine Tiefe von 25 Zentimeter ist in den meisten Regionen aktuell gut durchfeuchtet. Flach wurzelnde Pflanzen, die ihren Wasserbedarf aus der oberen Bodenschicht beziehen, sind zurzeit gut versorgt. Betrachtet man aber eine vertikal mächtigere Schicht des Bodens, so offenbart sich noch immer ein zum Teil erheblicher Wassermangel. Der linke Teil obiger Abbildung zeigt den aktuellen Zustand des Bodens im Vergleich zum langjährigen Mittel. Diese Auswertung des Dürremonitors Deutschland bezieht sich auf die oberen 1,8 Meter des Bodens. Die obersten 25 Zentimeter des Bodens sind zwar feucht, doch darunter ist noch immer nicht viel Wasser angekommen. In der Nordhälfte Deutschlands herrscht noch immer eine extreme Dürre und im Süden sind die oberen 1,8 Meter des Bodens noch ungewöhnlich trocken. Wie ist das nach all den Regentagen der vergangenen Wochen möglich?

Die Ursache für die Trockenheit hat eine längere Vorgeschichte. Das noch immer bestehende Wasserdefizit ist in erster Linie eine Altlast aus dem Jahr 2018. Der rechte Teil der Abbildung zeigt eine Regenbilanz für den Zeitraum vom 1. Januar 2018 bis zum 11. Oktober 2019. Grundlage stellten Flächenmittel des Niederschlags für die einzelnen Bundesländer dar. Die Zahlen in Prozent geben an, wie viel des normal üblichen Regens in den letzten 21 Monaten gefallen ist. Die untere Zahl zeigt die Abweichung von der Norm in l/m². In Bayern beispielsweise hat es seit dem 1. Januar letzten Jahres 85 Prozent der Menge geregnet, die in diesem Zeitraum Durchschnitt wäre. Das Regendefizit dieses Zeitraums beträgt 260 l/m². Das größte Regendefizit verzeichneten die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Dort regnete es nur 72 bis 76 Prozent der üblichen Menge. Das Defizit beträgt vielfach um 300 l/m², in Nordrhein-Westfalen sogar 400 l/m². Etwa für diese Gebiete zeigt auch die Karte des Dürremonitors die größte Trockenheit. Besser versorgt sind Schleswig-Holstein sowie der Süden und Südwesten Deutschlands. Bezogen auf ganz Deutschland hat es seit 1. Januar 2018 im Flächenmittel 1165 l/m² geregnet, im langjährigen Mittel wären 1455 l/m² zu erwarten gewesen.

Bei einem durchschnittlichen Witterungsverlauf der kommenden Monate und Jahre würde das vor allem aus dem Jahre 2018 stammende Defizit irgendwann nicht mehr ins Gewicht fallen. Schneller wäre die Dürre natürlich beendet, wenn in den kommenden Wochen 200 bis 300 l/m² zusätzlich zu der normalen Regensumme herunter kämen. Das diskutierte und vor allem noch aus dem Jahre 2018 stammende Regendefizit ist nur ein Grund der noch herrschenden Trockenheit. Die beiden vergangenen Sommer waren sehr sonnig und heiß. Dadurch ist deutlich mehr Wasser verdunstet als in normalen Jahren.

Freitag, 11. Oktober 2019

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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