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Wetterthema

06.09.2019

Außertropische Umwandlung von Hurrikans

Hurrikans sind symmetrische tropische Wirbelstürme im Nordatlantik und östlichen Pazifik mit einem kreisrunden, wolkenarmen Bereich im Zentrum. Drumherum sind die spiralartigen Regenbänder gut auf einem Satellitenbild zu erkennen. Verlassen die nordatlantischen Hurrikans die Tropen und Subtropen nach Nordosten, verlieren sie ihren tropischen Charakter und können sogar Einfluss auf uns haben.

Meteorologen sprechen bei diesem Prozess von einer „Extratropical Transition“, kurz „ET“. Also einer außertropischen Umwandlung. Dabei durchlaufen tropische Wirbelstürme eine komplizierte und noch nicht hundertprozentig verstandene Entwicklung zu einem Sturmsystem, das sich von der Charakteristik her immer mehr den Tiefdruckgebieten der mittleren Breiten angleicht.
Schon anhand der Satellitenbilder kann man die ET verfolgen. In den Tropen und Subtropen sind die Hurrikans noch sehr deutlich anhand ihrer symmetrischen, stark abgegrenzten Struktur zu erkennen. Sobald die ET begonnen hat, werden die Sturmsysteme zunehmend asymmetrischer und „verschwommener“.
Die Unterschiede zeigen sich aber nicht nur im Erscheinungsbild. Tropische Wirbelstürme entstehen, wie der Name schon andeutet, in den tropischen Regionen der Ozeane. Im Nordatlantik befindet sich die Hauptentstehungszone zwischen dem 9. und 21. Breitengrad. Ihre Energie beziehen sie aus dem warmen Wasser. Dabei gibt der Ozean durch Verdunstung Wärmeenergie an die Umgebung ab. Durch Bildung von Wolken (Kondensation) wird dabei diese Wärmeenergie wieder frei und sorgt für weiteren Antrieb des tropischen Sturms.
Ein außertropisches Tiefdruckgebiet entsteht meist in der Nähe des Jetstreams, einem Starkwindband, das durch die hohen Temperaturgegensätze in den Polarregionen und den Subtropen initiiert wird. Dieser Temperaturgegensatz stellt ebenfalls eine große Energiequelle dar und bietet den Tiefdruckgebieten genug Entwicklungspotenzial. Um das Tiefdruckzentrum herum wird dann einerseits wärmere Luft und andererseits auch kältere Luft eingespeist und führt zur Ausbildung von Warm- und Kaltfronten. Im Tiefdruckgebiet findet man dementsprechend auch eine asymmetrische Verteilung unterschiedlicher Temperaturen, während ein tropischer Wirbelsturm einheitlich „warm“ ist und keine Fronten ausbildet.
Bei der ET verlassen also die tropischen Wirbelstürme die warmen Gewässer und geraten mehr und mehr in das Einflussgebiet des Jetstreams, somit ändert sich die Energiequelle des Sturmsystems. Fronten bilden sich aus und das System wird asymmetrischer.
Zurzeit befindet sich Hurrikan „Dorian“, der zu Beginn der Woche noch für große Zerstörung auf den Bahamas gesorgt hat, auf dem Weg nach Nordosten und wird nach bisherigen Modellvorhersagen vermutlich am Wochenende in der Nähe von Neufundland eine ET vollziehen. Der genaue Einfluss auf unser Wetter ist noch ungewiss, da so ein Sturmsystem große Ungenauigkeit in die mittelfristigen Vorhersagen bringt.



Freitag, 06. September 2019

Pila Bossmann
ARD-Wetterredaktion

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