Wetterthema | tagesschau.de

Wetterthema

05.06.2019

Taupunkt und Schwüle

Was versteht man unter dem Taupunkt?

Von Mittwoch auf Donnerstag wird die schwüle-heiße Luft von Westen her von deutlich kühlerer verdrängt. Dieser Luftmassenwechsel wird jedoch von schweren Gewittern mit Unwetterpotenzial begleitet.

In der Meteorologie wird Schwüle anhand des sogenannten Taupunkts beschrieben. Es handelt sich hierbei um eine Temperatur - nicht diejenige, bei der Eis taut, sondern bei der sich Tau, beispielsweise auf Wiesen bildet. Somit ist der Taupunkt ein Maß für die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit. Denn je feuchter die Luft ist, desto höher ist die Temperatur, ab der sich Tau niederschlägt.

Warme Luft kann mehr unsichtbaren Wasserdampf enthalten, als kalte. Wenn die maximal mögliche Menge an Wasserdampf erreicht ist, spricht man von Sättigung, und die relative Feuchte beträgt 100 Prozent. Diese 100 Prozent entsprechen aber bei höheren Temperaturen einer größeren Wassermenge, als bei niedrigeren. So enthält 30 Grad warme und gesättigte Luft etwa 30 Gramm Wasser pro Kubikmeter, bei 0 Grad sind es nur etwa 5 Gramm.

Normalerweise ist die Luft im Sommerhalbjahr selten gesättigt, da sie bei hoher Temperatur sehr viel Wasser aufnehmen kann. Enthält sie beispielsweise 13 Gramm Wasser pro Kubikmeter, so entspricht das bei 30 Grad einer relativen Feuchte von 40 Prozent. Würde man diese Luft nun auf 15 Grad abkühlen, so wäre sie mit einer relativen Feuchte von 100 Prozent gesättigt - ihr Taupunkt beträgt also 15 Grad.

Am Mittwochnachmittag liegt der Taupunkt verbreitet über 16 Grad, lediglich im Westen und Nordwesten sowie an den Küsten und in höheren Lagen ist die Luft trockener. Vor allem vor den Gewittern werden auch Werte über 18 Grad erreicht. Das wird von den meisten Menschen als drückend schwül empfunden. Denn unser Organismus kühlt sich durch Verdunstung von Schweiß an der Hautoberfläche. Hierdurch wird der Umgebung Wärme entzogen, und die Temperatur lokal herabgesetzt. Ist die Luft nun sehr feucht, möchte sie ungern weiteren Wasserdampf aufnehmen, wodurch die Verdunstung und damit der Kühl-Effekt erschwert werden.

Die Feuchtigkeit liefert zudem die zur Entwicklung schwerer Gewitter notwendige Energie, die sich am Mittwochnachmittag bereits im Westen bilden und sich im Laufe der Nacht auf Donnerstag ostwärts ausbreiten und erneut zum Teil unwetterartig mit Hagel, Starkregen und Sturmböen ausfallen können. Am Donnerstag setzt sich dann kurzfristig deutlich kühlere und trockenere Luft durch, bevor am Freitag der Taupunkt und damit die Schwüle bereits wieder ansteigen.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

Alle Wetterthemen

Darstellung: