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Wetterthema

11.04.2019

Kaltlufttropfen

In den kommenden Tagen sorgt hochreichende Kaltluft für wechselhaftes Aprilwetter

Das Hoch "Katharina" thront aktuell über dem westlichen Skandinavien und dem Nordmeer. An seiner Ostflanke gelangt in den kommenden Tagen kontinentale Kaltluft über Schweden und Dänemark nach Deutschland. In der Folge schnürt sich ein Gebiet besonders kalter Luft in mehreren Kilometern Höhe ab und sorgt hierzulande am Wochenende neben Nachtfrost auch für Schnee- und Graupelschauer bis in die Niederungen.

In der oberen Troposphäre zwischen 5 und 10 km Höhe trennt die sog. Polarfront normalerweise wärmere subtropische Luftmassen von kälterer Luft polaren Ursprungs. Jedoch muss die Atmosphäre Temperaturunterschiede zwischen äquatornahen und polaren Regionen ausgleichen, da durch den höheren Sonnenstand in niederen Breiten dort ein Energieüberschuss herrscht. Würde die Polarfront keine Durchmischung dieser Luftmassen erlauben, würde es an den Polen immer kälter und am Äquator immer wärmer werden.

Durch die Erddrehung wirkt jedoch eine ablenkende Kraft auf sich bewegende Luftteilchen, die sog. Corioliskraft. Diese ist umso stärker, je näher man sich dem Pol nähert. Durch die Corioliskraft wird die Höhenströmung an der Polarfront abgelenkt und es entsteht eine Wellenbewegung, die in der Draufsicht idealisiert an eine Schlangenlinie erinnert. Das sind die sog. Rossby-Wellen. An ihnen entstehen die Tiefdruckgebiete, die uns das abwechslungsreiche Wetter bescheren.

Nun kann es jedoch manchmal vorkommen, dass sich eine Ausbuchtung der Polarfront in einem sog. „Cut-Off-Prozess“ als eigenständiges Gebilde von ihr abschnürt. Das sind die gefürchteten Kaltlufttropfen. Denn diese Höhentiefs sind oft am Erdboden nicht zu erkennen und führen aufgrund der sehr kalten Luft zu einer sogenannte Labilisierung der Atmosphäre wodurch Schauer, Gewitter und auch Starkregen ausgelöst werden.

Zudem sind die Kaltlufttropfen häufig von der Höhenströmung entkoppelt, wodurch ihre Verlagerung eher durch bodennahe Winde beeinflusst wird. Jedoch führen diese Höhentiefs oft so etwas wie ein Eigenleben, wodurch die Prognose des Wetters, selbst für die kommenden 24 Stunden, großen Unsicherheiten unterworfen ist.

Auch hierzulande haben wir es über das kommende Wochenende mit dieser Höhenkaltluft zu tun. Bereits am Freitag können sich im Norden kräftige und gewittrige Schauer entwickeln, die auch bis ganz runter als Schnee fallen. Am Samstag sind dann weite Landesteile von der schauerträchtigen Luft betroffen, wobei es voraussichtlich bevorzugt in der Mitte und im Westen verbreitet zu Schnee- und Graupelschauern kommen wird.

Donnerstag, 11. April 2019

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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