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Wetterthema

08.01.2019

Von Sturmfluten und Lawinen

Das Element Wasser macht es den Menschen zur Zeit, sowohl in flüssiger als auch in fester Form, nicht einfach. An der Küste drohen am Dienstag Sturmfluten, während in den Alpen die zweithöchste Lawinenwarnstufe herrscht.

Am heutigen Dienstag wappnen sich die Bewohner an Nord- und Ostsee gegen eine mögliche Sturmflut, hervorgerufen durch Tief Benjamin. Der Kern des Sturmtiefs befindet sich momentan über der Ostsee und sorgt vor allem im Norden Deutschlands und in den Mittelgebirgen für teils orkanartige Böen über 100 Kilometer in Stunde.

Durch den starken Nordwestwind werden die Wassermassen in Richtung Land geschoben und führen dazu, dass die Pegel an Nord- und Ostseeküste, sowie in den Flussmündungen der Weser und Elbe deutlich ansteigen. Per Definition des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie wird eine Flut erst als Sturmflut bezeichnet, wenn das mittlere Hochwasser um 1,5 bis 2 Meter überschritten wird. Wenn also die Füße schon nass sind, kommt nochmal eine ordentliche Portion Wasser hinterher. Ein kleiner positiver Nebeneffekt dieses Sturms könnte dafür sorgen, dass noch ein paar der insgesamt 270 von Bord gegangenen Container des Frachters „MSC Zoe“ an den Inseln in der Nordsee angespült werden und somit die Suche und Beseitigung erheblich vereinfachen würde.

Im Gegensatz dazu haben die Menschen in Bayern und in den Alpen mit meterhohen Schneemassen zu kämpfen. Eine einzige Schneeflocke ist für viele Menschen Wasser in seiner schönsten Form. Kommen jedoch solche Schneemassen zusammen, wie momentan in den Alpen, nimmt der Spaß am Wintersport ein jähes Ende. Die Lawinengefahr hat vornehmlich in Österreich, aber auch in den deutschen Alpen schon die zweithöchste Warnstufe erreicht.

Doch wie entsteht eine Lawine? Mittlerweile weiß man, dass Lawinen nicht mehr durch Hexen oder Geister verursacht werden, sondern von einer Reihe von Faktoren begünstigt werden. Es gibt mehrere verschiedene Arten von Lawinen. Darunter Schneebrettlawinen, dabei rutscht eine ausgedehnte Schneeschicht den Hang hinunter und die gefährlichen Staublawinen, bei der große Schneemassen mit Luft vermischt werden und den Hang hinabstürzen. Diese Art der Lawine kann Geschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometer in der Stunde erreichen und ähnelt, durch starke Luftdruckschwankungen vor und nach der Lawine, einem Wirbelsturm mit Eiskristallen. Bäume knicken ab wie Streichhölzer, Häuser halten solchen Lawinen oft nicht stand und Mensch und Tier droht bei solchen Lawinen schnell der Erstickungstod, da man in dem Schnee-Luft-Gemisch nicht mehr atmen kann.
Für alle Lawinenarten sind große Neuschneemengen von Nöten. Daneben spielen die Eiskristallform, die von der Temperatur abhängt, die Neigung des Hangs und auch der Bodenbelag eine wichtige Rolle.

Zurzeit treffen diese Faktoren auf ausgedehnte Gebiete in den Alpen zu. Bis Donnerstag werden in den Alpen über 1 Meter Neuschnee erwartet. Neuschnee gibt es also genug und die Behörden warnen kontinuierlich und aufmerksam vor Lawinen in den betreffenden Gebieten. Ein Appell also an die Wintersport Begeisterten unter uns: Nur auf ausgewiesenen und gesicherten Pisten fahren und unbedingt die örtlichen Warnungen beachten, damit man auch noch in den kommenden Wintern Spaß an diesem Sport hat.



Dienstag, 8. Januar 2019

Pila Bossmann
ARD-Wetterredaktion

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