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Wetterthema

07.01.2019

Das leidige Thema mit dem Schnee und dem Verkehr

Gewöhnt sich der Verkehr am Boden sowie in der Luft an den Winter?

Am Wochenende kam es in Bayern und in den Alpen zu starken Behinderungen im Straßen- und Flugverkehr. Vor allem zum Ende der Weihnachtsferien bedeutete das für viele Familien und Reisende Stress. Dabei kam der Wintereinbruch nicht gerade überraschend, vor allem nicht für die betroffenen Regionen. Jedes Mal aufs neue stehen hunderte Menschen an den Flughäfen und fragen sich warum man wegen ein bisschen Schneefall so viele Flüge annullieren muss. Die restlichen Reisenden stehen in langen Staus auf der Autobahn oder kommen erst gar nicht mehr aus den Bergen ins Tal.
Schnee ist doch nichts Neues. Eigentlich.
Auch wenn Vorhersagen die Neuschneemengen auf den Millimeter genau vorhersagen würden, ergäbe das trotzdem in der Realität immer wieder dasselbe Problem: Zu starker Schneefall in einem zu großen Gebiet in zu geringer Zeit. Die Regierungen oder Flughäfen haben nur eine begrenzte Anzahl von Personal und Fahrzeugen zur Beseitigung des Schnees auf den Autobahnen und Rollfeldern zur Verfügung. Vor allem Rollfelder auf Flughäfen stellen eine besondere Herausforderung dar. In München etwa sind die Start- und Landebahnen 4 Kilometer lang und 60 Meter breit. Ein Flugzeug darf bei schlechtem Winterwetter nur unter besonderen Voraussetzungen starten und landen. Eine Voraussetzung ist dabei die Beschaffenheit der Start-/Landebahn. Hierbei wird unter anderem zwischen trocken, nass und kontaminiert unterschieden. Eine kontaminierte Bahn bedeutet, wenn die Bahn mehr als 25% von Schnee oder Schneematsch mit einer Höhe von 3 Millimetern bedeckt ist. Schon bei einer Neuschneemenge von 3 Zentimetern in der Stunde, müsste demnach eine Stelle mindestens 10 Mal in der Stunde geräumt werden. Diese Rechnung geht selbst mit bestmöglicher Vorbereitung nicht auf. Da hilft es nur bei solchen Wetterlagen sehr viel mehr Zeit einzuplanen und die Nerven zu behalten, um letztendlich sicher und mit nicht allzu großer Verspätung am Zielort anzukommen.
Nach kurzer Beruhigung der Schneefälle durch Tief Andre, geht es am Dienstag und Mittwoch weiter mit den Niederschlägen, die am Mittwoch sogar bis ins Flachland ein paar Flocken bringen. Sturmtief Benjamin verstärkt sich gerade südlich von Island und zieht in den kommenden Stunden rasch über Skandinavien nach Mitteleuropa.
Benjamin sorgt dann am Dienstag vor allem an der Nordsee und im Erzgebirge für Sturmböen von 70 bis 90 Kilometer pro Stunde aus nördlichen Richtungen. Dazu fällt verbreitet schauerartiger Regen, der in den südlichen Teilen von Deutschland und in den Alpen als Schnee fällt. In den Nordstaulagen der Alpen gibt es länger anhaltend starken Schneefall. Benjamin drückt mit seinem starken Nordwestwind die mitgebrachte feuchte Luftmasse gegen die Berge, die dort wegen orographischer Hindernisse nur noch nach oben ausweichen kann. Wird eine Luftmasse zur Hebung gezwungen, kühlt sie aus. Die enthaltene Feuchte kondensiert und fällt letztendlich als Niederschlag aus. Da Benjamins Luftmassen nicht nur feucht, sondern auch kalt sind, fällt dieser Niederschlag als Schnee.
Nach dem ersten großen Schnee hat sich der Verkehr nicht unbedingt an neuen Schnee gewöhnt. Die Leute stellen sich jedoch verbreitet auf Behinderungen im Straßen- sowie Bahn- und Luftverkehr ein. Es läuft, gefühlt zumindest, doch etwas geschmeidiger nachdem der erste „Schneeschock“ überwunden ist.

Montag, 7. Januar 2019

Pila Bossmann
ARD-Wetterredaktion

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