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Wetterthema

12.10.2018

Wie ungewöhnlich war das Sommerhalbjahr?

In den letzten 6 Monaten sorgte das Wetter für einige Schlagzeilen. Im Fokus stand dabei vor allem die Trockenheit, aber auch die Wärme. Doch wie außergewöhnlich war das Wetter der letzten Monate im Vergleich zu anderen Jahren?

Flächendeckende Wetteraufzeichnungen der Temperatur und des Niederschlags gibt es in Deutschland seit 1881, ausreichende Daten der Sonnenscheindauer liegen ab 1951 vor. Alle Auswertungen in diesem Artikel beziehen sich auf den Zeitraum vom 1. April bis 30. September, also auf das Sommerhalbjahr.

Im Flächenmittel über ganz Deutschland landete das Sommerhalbjahr 2018 mit einem Mittel von 16,9 Grad deutlich auf Platz 1. Es folgen die Sommerhalbjahre 1947 und 2003 mit jeweils 16,0 Grad. Normal wären 14,3 Grad (Mittelwert 1981 bis 2010). Auch die Sonnenscheindauer übertraf in diesem Zeitraum alles bisher Bekannte. Sie lag bei 1498 Stunden, der alte Rekord von 1431 Stunden aus dem Jahre 1959 ist damit Geschichte. Doch das Sommerhalbjahr 2018 war nicht nur sehr warm und sonnig, es war auch ungewöhnlich trocken. Im Bundesmittel landete es mit 263 l/m² auf Platz 2. Noch trockener war es 1911 mit 249 l/m².

In unserer Abbildung können Sie schauen, wie das Sommerhalbjahr 2018 in Ihrem Bundesland ausgefallen ist. Die jeweils obere Zahl in der linken Karte zeigt das Flächenmittel der Temperatur für den Zeitraum 1. April bis 30. September, die untere Zahl die Summe der Sonnenscheindauer. In der rechten Karte ist die Niederschlagssumme des Sommerhalbjahrs dargestellt. Die Ziffer in Klammern gibt das Ranking an. Liegt 2018 nicht auf Platz 1, können Sie in grauer Schrift den noch gültigen Rekord samt Jahresangabe sehen.

Am Beispiel für Hessen sei nochmals verdeutlicht, wie die Abbildung zu lesen ist: Das Flächenmittel der Temperatur lag hier im Sommerhalbjahr 2018 bei 17,0 Grad. Es handelte sich damit um das wärmste Sommerhalbjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Sonne schien in Hessen 1475 Stunden lang, in keinem andere Sommerhalbjahr wurde dieser Wert erreicht. Der Regen summierte sich auf 245 l/m², in Sachen Trockenheit landete das Sommerhalbjahr 2018 in Hessen auf Platz 6. Am trockensten war es 1911 mit nur 207 l/m².

Das Sommerhalbjahr war in allen Bundesländern das wärmste seit Messbeginn. Außer in Schleswig-Holstein wurde überall ein Rekord der Sonnenscheindauer aufgestellt. Obwohl die Trockenheit das größte Thema der vergangenen Monate war, landete das Sommerhalbjahr 2018 nur in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt auf Platz 1. In den anderen Bundesländern führen in Sachen Trockenheit noch immer die Jahre 1911, 1921, 1947, 1959 oder 1976.

Ursache für die ungewöhnliche Witterung der letzten Monate war eine festgefahrene Wetterlage. Deutschland lag immer wieder unter stabilen Hochdruckgebieten, so dass die reichlich scheinende Sonne ordentlich einheizen konnte. Man darf trotz aller Rekorde nicht aus dem Auge verlieren, dass dieses extreme Wetter regional begrenzt aufgetreten ist. Ähnliche positive Abweichungen der Temperatur gab es in anderen Regionen Mittel- und Nordeuropas und in Teilen der Arktis. Deutlich unterschnittig temperiert zeigten sich zugleich jedoch Kasachstan und Kanada, hier besonders Quebec und Labrador. Hätte sich das stabile Muster der letzten 6 Monate um 5000 Kilometer nach Westen oder Osten verschoben, soweit liegen Kasachstan und Labrador von uns entfernt, so wär der Sommer bei uns ausgefallen. Aussagen über den Klimawandel anhand einzelner extremer Witterungsabschnitte einer Region sind schwierig. Hierzu sollte man längere Zeiträume und optimalerweise die globale Mitteltemperatur betrachten. Und diese steigt seit vielen Jahrzehnten.

Freitag, 12. Oktober 2018

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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