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Wetterthema

05.10.2018

Subtropenstürme im Mittelmeer

Tropische Wirbelstürme sind im Atlantik (als Hurrikane) und Pazifik (als Taifune) regelmäßig für Wetterextreme und Verwüstung verantwortlich. Doch auch im europäischen Mittelmeer sorgen Wirbelstürme, bekannt als „Medikane“, etwa einmal im Jahr für Gefahr. Der Name „Medikan“ klingt nicht nur zufällig nach den Wirbelstürmen des Atlantiks, sondern ist tatsächlich eine Wortneuschöpfung aus den Wörtern (Medi)-terran und Hurri-(kan).

Die Bezeichnung ist dabei sehr treffend, sind sich Medikane und Hurrikane hinsichtlich Bildung, Struktur und markanter Wettererscheinungen doch erstaunlich ähnlich:

Wie auch sein atlantisches Pendant besitzt ein Medikan die Struktur eines Wirbelsturmes mit ausgeprägten Niederschlagsbändern, gefährliche Winde, einen zumindest bis in mittlere Höhen warmen Kern und ein zeitweise wolkenfreies Auge. Beide Wirbelsturmtypen können sich bilden, wenn sich das System Erde – Ozean in einem thermodynamischen Ungleichgewicht befindet. Dies tritt zum Beispiel ein wenn ungesättigte Luft über warme Ozeane weht. In diesem Fall wird Wärmeenergie und Feuchte vom Ozean auf die Atmosphäre übertragen. Sind die atmosphärischen Bedingungen günstig, so formieren sich kräftige Gewittercluster, die sich zu (Sub)-Tropenstürmen entwickeln können. Wichtig für die Entwicklung hin zu Wirbelstürmen sind insbesondere eine hohe Ozeanoberflächentemperatur und geringe Unterschiede von Windgeschwindigkeit und Windrichtung in der gesamten Troposphäre.

Es gibt aber auch einige Unterschiede zwischen Medikanen und typischen Hurrikanen:

Medikane können sich zwar schon bei Wassertemperaturen ab 20 Grad bilden (Hurrikans erst ab 26 Grad), fallen insgesamt aber deutlich schwächer aus, da das Mittelmeer wesentlich kühler ist als der tropische Atlantik. Außerdem ist der Atlantik dem Mittelmeer schon allein in seiner Größe überlegen, sodass ein Hurrikan auf seinem Weg von Afrika nach Amerika genug Zeit und Raum hat, sich zu mächtigen Stürmen zu intensivieren. So erreichen Medikane zum Beispiel nur mittlere Windgeschwindigkeiten von etwa 100 km/h, einen Durchmesser von wenigen hundert Kilometern und überleben meist auch nur zwischen 2 und 4 Tagen. Ein typischer Hurrikan der Kategorie 3 kann bis zu 20 Tage überdauern, mit seiner Größe mitunter Gebiete so groß wie Deutschland abdecken und besitzt Winde um 200 km/h. Auch die mit Medikanen einhergehende Sturmflut mit einem um einen Meter erhöhten Meeresspiegel wird von Hurrikanen gewöhnlich um ein Vielfaches übertroffen. Man kann sich denken, dass Hurrikane entsprechend ein deutlich größeres Gefahrenpotenzial für Mensch und Natur mit sich bringen.

Da sich das Mittelmeer im Zuge des Klimawandels wie auch alle anderen Weltmeere stetig erwärmt, ist zu erwarten, dass zukünftige subtropische Medikanes im Mittelmeer häufiger und intensiver ausfallen. Es lohnt sich also in Zukunft, fast schon im wahrsten Sinne des Wortes Medikanes „im Auge“ zu behalten.


Konstantin Krüger
ARD-Wetterredaktion

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