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Wetterthema

11.06.2018

Schafskälte

Ein Luftmassenwechsel beendet die Gewitterserie. Ist das nun die Schafskälte?

Die Schafskälte ist ein sogenannter Witterungsregelfall. In etwa 9 von 10 Jahren kommt es Mitte Juni Hierzulande zu einem Kaltlufteinbruch, der die frisch geschorenen Schafe ihr wärmendes Fell vermissen lassen.

Wenn ein Tief über Skandinavien einem Hoch über den Britischen Inseln gegenübersteht, kann zwischen diesen Druckgebilden Kaltluft aus dem Nordmeer weit nach Süden strömen. Im Zeitraum zwischen 1881 und 1947 trat die Schafskälte nach statistischen Untersuchungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent jedes Jahr ein. Aber auch in den vergangenen etwa 25 Jahren gab es bis auf das Jahr 2003, welches manchem durch seinen extremen Hitzesommer in Erinnerung geblieben ist, meist einen markanten Temperaturrückgang im Juni.

Nördliche Winde kann es zwar auch zu anderen Jahreszeiten geben, aktuell ist jedoch der Kontrast zwischen der noch kühlen Nordsee und den schon warmen Landmassen Südeuropas und Afrikas aufgrund der langsameren Erwärmung des Wassers sehr ausgeprägt. Kommt die Luft aus Süden, gibt es nun schon erste sommerliche Hitzewellen mit schwersten Gewittern, wie es in den vergangenen Wochen immer wieder der Fall war. Dreht die Strömung auf Nord, so kann es bei längerem Aufklaren in ungünstigen Lagen sogar noch einmal Bodenfrost geben.

Aktuell stellt sich mit einem Hochdruckkeil, der vom Atlantik über England bis zur Nordsee reicht und einem Tief über Skandinavien und der Ostsee erneut eine Wetterlage ein, die kühle Atlantikluft aus nordwestlichen Richtungen nach Mitteleuropa lenkt. Dadurch wird es bereits am heutigen Montag in der Nordhälfte mit 18 bis 24 Grad spürbar kühler als zuvor, im Süden hingegen hält sich die schwül-warme Luftmasse noch etwas länger. Hier darf mit bis zu 31 Grad in Niederbayern bei hoher Luftfeuchte nochmals geschwitzt werden. Auch mit schweren Gewittern mit Unwetterpotential muss man hier nochmals rechnen. Bis Mittwoch wird jedoch die gewitterträchtige Luft auch im Süden ausgeräumt. Dann kann man bei Höchstwerten unter 20 Grad auch dort mal durchlüften.

Neben der Schafskälte sind die Hundstage, hochsommerliche Hitzewellen Ende Juli und Anfang August, ausgeprägte Witterungsregelfälle. Auch der Altweibersommer Ende September trat bisher mit etwa 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit jedes Jahr ein. Die Ursachen für dieses regelhafte Verhalten sind nach wie vor ungeklärt. Man vermutet, dass langperiodische Schwingungsvorgänge in höheren Schichten der Atmosphäre dafür verantwortlich sind. In den vergangenen Jahrzehnten wurde auf diesem Gebiet jedoch kaum geforscht, so dass gefestigte Erkenntnisse leider noch ausstehen.

Montag, 11. Juni 2018

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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