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Wetterthema

07.06.2018

Blitze in Deutschland

In den kommenden Tagen breitet sich gewitterträchtige Luft erneut nordwärts aus.

Etwa 90 Prozent aller Gewitter finden hierzulande zwischen Juni und August statt, denn feucht-warme Luft ist eine Voraussetzung für schwere Gewitter. Doch in manchen Jahren kracht es besonders oft. Auch diese Saison verlief bisher ausgesprochen gewittrig und nach einer kurzen Wetterberuhigung drohen ab Donnerstag vor allem in der Südwesthälfte erneut Unwetter.

Im Laufe eines Jahres werden in Deutschland durchschnittlich etwa 2 Millionen Blitze registriert, bei extrem gewittrigen Wetterlagen können es mehrere hunderttausend pro Tag sein. Jedoch nur etwa ein Drittel davon erreicht den Erdboden, der Rest entlädt sich zwischen den Gewitterwolken. Je nach Wetterlage kann es jedoch von Jahr zu Jahr beträchtliche Unterschiede in der Gewitteraktivität geben. Bei ruhigen Hochdrucklagen mit reichlich Sonnenschein und trockener Luft kann man lange auf Unwetter warten, in der feuchten Luft aus subtropischen Gefilden, wie sie dieses Jahr bisher häufig ihren Weg nach Deutschland fand sind schwere Gewitter hingegen quasi vorprogrammiert.

Dabei gelangt die schwüle Gewitterluft nicht so häufig nach Norddeutschland, weswegen im Küstenumfeld nur etwa ein Blitz pro Jahr und Quadratkilometer registriert wird. Im Großraum Stuttgart, sowie im Voralpenland und im Erzgebirge werden dagegen bis über fünf Blitze gezählt. Häufig spielt neben der Luftfeuchtigkeit auch die Geländeform eine entscheidende Rolle, denn beim Überströmen eines Berges wird die gewitterträchtige Luft angehoben, was den entscheidenden Impuls zur Auslösung der Gewitter geben kann.

Der amerikanische Naturforscher Benjamin Franklin bewies bereits 1752, dass Blitze elektrische Entladungen sind. Er lenkte Drachen in Gewitterwolken, um Blitzentladungen auszulösen. Heute ist man sich einig, dass durch auf- und absteigende Wasser- und Eisteilchen in der Gewitterwolke elektrische Ladungen getrennt werden und dadurch ein enormes elektrisches Feld entsteht.

Wird man von einem Gewitter im Freien überrascht, sollte man keinesfalls Buchen suchen und auch keine Linden finden sondern alle Bäume meiden, nicht nur Weiden. Denn Blitze schlagen vorzugsweise an exponierten Stellen ein. Am besten begibt man sich in ein Gebäude oder zumindest in ein Auto, dass die Blitzladung außen an der Karosserie ableitet, man sollte jedoch möglichst keine Metallgegenstände anfassen.

Schafft man es nicht mehr dorthin, so sollte man in die Hocke gehen und die Füße eng zusammenstellen bis das Gewitter vorbei ist, denn auch der Strom, der sich um einen Blitzeinschlag im Erdboden verteilt kann gefährlich werden. Je größer der Abstand der Füße am Boden ist, desto größer ist auch die sogenannte Schrittspannung. Es sind schon etliche Kühe auf der Weide nach einem nahen Blitzeinschlag Opfer des großen Abstands ihrer Hufe geworden. Aus diesem Grund empfiehlt es sich auch nicht während einem Gewitter auf einem Pferd zu sitzen.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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