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Wetterthema

14.05.2018

Starkregen

Ist der Klimawandel schuld an den extremen Regenfällen?

Am Sonntag wurden in einem Streifen vom Emsland über Hessen bis nach Bayern während langsam ziehender Gewitter extreme Regenmengen gemessen. So fielen beispielsweise in Gemünden (Felda) in Hessen 95 Liter pro Quadratmeter, in Rain am Lech (nomen est omen) wurden 80, in Grebenhain im Vogelsberg 78 Liter gemessen. Innerhalb weniger Stunden fiel vielerorts mehr Regen, als üblicherweise im gesamten Mai.

Der vom Menschen beeinflusste Klimawandel vollzieht sich innerhalb von Jahrzehnten bis Jahrhunderten und zudem nicht überall in gleicher Geschwindigkeit und Ausprägung. Weiterhin ist das Klimasystem, hauptsächlich bestehend aus der Atmosphäre, den Ozeanen, dem doch nicht so ewigen Eis und der Biosphäre, also hauptsächlich der Vegetation, sehr komplex und von zahllosen Wechselwirkungen geprägt, so dass einfache Ursachen sehr vielfältige und manchmal auch schwer zuzuordnende Wirkungen hervorrufen.

Eine Zunahme der Weltmitteltemperatur aufgrund der steigenden Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre ist sehr wahrscheinlich und auch gut nachvollziehbar. Jedoch zieht diese Erwärmung weitere Veränderungen nach sich, wie beispielsweise die räumliche und zeitliche Umverteilung des Niederschlages. So werden in Deutschland die Winter feuchter, die Sommerniederschläge aber insgesamt extremer, d.h. es werden künftig sowohl längere Dürrephasen als auch ergiebigere Starkniederschläge erwartet.

Aber diese beobachteten und zu erwartenden systematischen Veränderungen sind meistens von natürlichen Schwankungen überdeckt, treten somit nicht immer deutlich zu Tage. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, möglichst lang zurückreichende Daten aus unterschiedlichsten Regionen zu betrachten. Einzelne Wetterkapriolen, mögen diese auch noch so extrem sein, sagen uns nichts über klimatische Entwicklungen.

Jedoch ist seit etwa 1980 eine weltweite Zunahme der Luftfeuchtigkeit beobachtet worden. Das ist naheliegend, da die durch den Treibhauseffekt erwärmte Luft der unteren Atmosphärenschichten aufgrund physikalischer Gesetzmäßigkeiten mehr Wasser speichern kann. Zudem haben in Mitteleuropa sommerlicher Hitzewellen innerhalb der letzten etwa 50 Jahre systematisch zugenommen. Der Hitzesommer 2003 ist das extremste Beispiel hierfür.

Somit ist es durchaus plausibel, dass es in Deutschland im Zuge der globalen Erwärmung vermehrt zu heftigen Gewittern kommen kann. Extremwert-statistische Untersuchungen von Radardaten des Deutschen Wetterdienstes deuten tatsächlich eine Zunahme kleinräumiger Gewitter seit 2001 an. Weiter zurück reichende Analysen wären wünschenswert, sind mangels hochaufgelöster Messungen leider nicht möglich.

Montag, 15. Mai 2018

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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