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Wetterthema

12.02.2018

Windchill

Bei den olympischen Winterspielen in Pyeongchang herrschen raue Wetterbedingungen.

Denn ein Tief über Sibirien lenkt auch in den kommenden Tagen eisige Kontinentalluft aus dem Norden auf die koreanische Halbinsel. Aufgrund des eisigen Windes mussten bereits mehrere Wettkämpfe verschoben werden. Orkanartige Böen rissen sogar eine schwere Fernsehkamera aus ihrer Verankerung. Erst ab der zweiten Wochenhälfte sollen mit Abschwächung des Tiefs auch die Winde nachlassen. Jedoch droht nun ab Donnerstag ein Termin-Chaos.

Neben den Gefahren durch heftige Windböen ist auch die Gesundheit der Athleten und Zuschauer wegen Auskühlung gefährdet. Denn durch den Wind fühlt es sich unangenehm eisig an. So werden 0 Grad bereits bei einer Windgeschwindigkeit von 20 km/h von vielen als minus 5 Grad empfunden. Die minus 5 Grad fühlen sich bei dieser Windstärke wie minus 12 Grad an, bei 50 km/h sogar wie minus15 Grad.

Das etwa 740 m hoch gelegene Pyeongchang meldete am Montagabend um 18:00 Uhr Ortszeit eine Temperatur von -10 Grad bei einer Windgeschwindigkeit von 30 km/h. Das ergibt eine gefühlte Temperatur von minus 20 Grad! Unterhalb von minus 18 Grad drohen bereits innerhalb von nur 30 Minuten oder weniger Erfrierungen.

Denn bei Windstille umgibt sich die Hautoberfläche mit einer isolierenden Luftschicht, wodurch es beim Sonnenbad im Februar trotz einer Umgebungstemperatur von beispielsweise nur 0 Grad auf den bestrahlten Hautpartien bereits als spürbar wärmer empfunden wird. Durch den kräftigen Wind wird diese isolierende Luftschicht jedoch verwirbelt und damit zerstört.

Zudem steigt die Verdunstungsrate über der Haut durch den Wind deutlich an. Diese Verdunstung benötigt sehr viel Energie, da die Wassermoleküle erst bei ausreichender schneller Bewegung gasförmig werden. Die dazu nötige Energie wird in Form von Wärme der Umgebung, also auch der Haut entzogen weswegen der Wind sich so eisig anfühlt.

Gefährlich kann dieser Windchill werden, wenn bei sehr tiefen Temperaturen und starken Wind Erfrierungen drohen. Aus diesem Grund wurde der Effekt sehr genau untersucht. Hierbei ergibt sich das Problem, dass das Wärmeempfinden und auch die Speicherung von Körperwärme sehr individuell sind und von vielen schwer zu erfassenden Faktoren abhängen. Beispielsweise spielt natürlich die Kleidung eine entscheidende Rolle, aber auch die körperliche Fitness oder der Anteil an Muskelmasse sind von Bedeutung.

Da die gefühlte Temperatur keine physikalische Größe wie gemessene Temperatur oder Windgeschwindigkeit ist, gibt es auch einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen ihre Bestimmung erfolgt. Es handelt sich also um einen Richtwert, der für kleine dicke Männer mit Vollbart mitunter genauso wenig zutrifft wie für große schlanke Frauen.

Montag, 12. Februar 2018

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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