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Wetterthema

07.02.2018

Luftgebirge

Wieso gibt es bei hohem Luftdruck meist freundliches und trockenes Wetter?

Jeder kennt es aus der Wetterkarte: das große T verheißt nichts Gutes, das große H hingegen verbindet man zu Recht mit trockenem und ruhigem Wetter. Doch was steckt meteorologisch dahinter? Die Druckgebilde in der Atmosphäre sind tatsächlich Landschaften aus Luft mit Bergen und Tälern. Mit Hilfe dieser Vorstellung lässt sich das Wettergeschehen leicht verstehen.

Vergleichbar mit Wanderkarten, in denen Berge durch Höhenlinien dargestellt sind, gibt es auch in der Meteorologie topographische Karten. Jedoch werden hier keine Berge aus Gestein sondern aus Luft erfasst. Bei einer normalen Wetterkarte werden Hochs und Tiefs durch Linien gleichen Druckes, sogenannte Isobaren, auf einer Referenzhöhe, meistens Meeresspiegelniveau, unterschieden.

Bei meteorologischen Topographien wählt man hingegen ein Druckniveau, beispielsweise 850 hPa (Hektopascal) und betrachtet dessen Höhe in der Atmosphäre. Diese Druckfläche befindet sich durchschnittlich in etwa 1400 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Bei hohem Druck liegt sie nun höher, bei tiefem Druck entsprechend tiefer. Ein Hochdruckgebiet ist somit ein Luftberg, ein Tief ein Lufttal.

Am Donnerstag beispielsweise liegt die 850 hPa-Druckfläche über Deutschland in einer Höhe von etwa 1450 Metern. Zur gleichen Zeit tobt über Island ein Sturmtief, also ein Lufttal. Dort befand sich die 850 hPa-Druckfläche in nur etwa 1000 Metern Höhe. Im Zentrum des mächtigen Azorenhochs westlich von Portugal ist hingegen der Druck erst in über 1600 Metern Höhe auf 850 hPa abgesunken. Am Erdboden liegt er bei stolzen 1040 hPa.

Es ist leicht nachvollziehbar, dass die Luft vom Berg (also dem Hoch) ins Tal (zum Tief) strömen will. Aufgrund der Erdrotation kann sie dies jedoch nicht auf direktem Weg, sondern muss die Tiefs und Hochs umkreisen. Erst durch die Bodenreibung wird die Strömung abgebremst und dabei auch ein wenig in das Tief hinein gelenkt, wodurch die Luft schließlich doch noch ihr Ziel erreicht.

Nun kann dort, wo die Luft herkommt kein Vakuum entstehen, weswegen aus höheren Atmosphärenschichten neue Luft in das Hoch hinein strömt und sich in den tieferen und damit wärmeren Luftschichten erwärmt. Wärmere Luft kann nun mehr Feuchtigkeit enthalten als kältere, ist also bei gleichem absolutem Gehalt an Wasserdampf relativ trockener. Dadurch lösen sich bestehende Wolken in Hochdruckgebieten auf bzw. es entstehen keine neuen, und die Sonne kann ungetrübt lachen.

So weit so gut, wäre da nicht ein kleiner Haken namens Nebel oder Hochnebel. Aufgrund der langen und klaren Winternächte, es gibt ja kaum Wolken in einem Hoch, kann nachts die Wärme vom Erdboden ungehindert in den Weltraum abstrahlen. Die Temperaturen sinken dann empfindlich ab und die relativ trockene Luft wird wieder relativ feucht. Mitunter wird sie so feucht, dass der Wasserdampf auskondensieren muss und sich Nebel oder eben Hochnebel bilden kann. Die Februarsonne ist noch nicht kräftig genug um den Nebel am nächsten Vormittag zügig aufzulösen. Mitunter halten sich um diese Jahreszeit den ganzen Tag über zähe Nebelbänke, die das subjektive Wetterempfinden trotz Luftberg deutlich schmälern.

Mittwoch, 7. Februar 2018

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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