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Wetterthema

10.11.2017

Die Nordatlantische Oszillation

Die großräumige Luftdruckverteilung über dem Nordatlantik bestimmt maßgeblich das Europäische Winterwetter.

Am Wochenende bringen atlantische Tiefausläufer viel Regen und Wind nach Deutschland. Am Sonntag und Montag lässt ein Schwall Polarluft zudem die Schneefallgrenze zwischenzeitlich bis in mittlere Lagen absinken. Kommende Woche beruhigt sich das Wetter aber bereits unter zunehmendem Hochdruckeinfluss wieder. Umso stärker atlantische Tiefdruckgebiete Einfluss auf das mitteleuropäische Winterwetter nehmen, desto schmuddeliger verläuft hierzulande der Winter. Gesteuert wird dies von der Nordatlantischen Oszillation.

Normalerweise befindet sich im Bereich der Azoren das gleichnamige Hoch, bei Island herrscht hingegen meist tiefer Luftdruck vor – dort entwickeln sich die bei der Seefahrt berüchtigten Islandtiefs. Zwischen diesen beiden Druckgebilden stellt sich in der Regel eine atmosphärische Strömung vom Atlantik auf das Europäische Festland ein, wodurch die Winter hierzulande häufig recht mild und unbeständig ausfallen. Denn umso größer der Luftdruckunterschied zwischen Azorenhoch und Islandtief ausfällt, also je stärker sowohl das Hoch als auch das Tief ausgeprägt sind, desto stärker wehen die Westwinde auf dem Atlantik, entlang derer dann gerne kleinräumige Tiefs wie auf einer Perlenschnur aufgereiht die milde Luft zu uns schaufeln. Man spricht von einer stark zonal, also in Ost-West-Richtung ausgeprägten Großwetterlage.

Zu anderen Zeiten kehrt sich die Situation um und im Bereich der Azoren befindet sich dann ein Tief, weiter nördlich entsprechend ein Hochdruckgebiet. In der Folge schläft der Zustrom milder Luft vom Atlantik nach Osten quasi ein und die Luftströmung kann weit in Nord-Süd-Richtung ausgreifen. Sogenannte meridionale Wetterlagen gewinnen die Oberhand, die dann die Luftmassen im großen Stil zwischen polaren und subtropischen Breiten austauschen. Im Mitteleuropäischen Winter kann eine solche auch als blockierte Wetterlage bezeichnete Situation zu Kaltlufteinbrüchen aus Skandinavien oder aus Russland führen, wo sich im fortschreitenden Winter ein großes Kaltluftreservoir aufbaut.

Dieses Wechselspiel der Luftdruckverteilung wird als die Nordatlantische Oszillation oder kurz als NAO bezeichnet und durch den Unterschied des Luftdrucks zwischen den Azoren und Island beschrieben. Ist diese Differenz, wie aktuell, ausgeprägt positiv, steht also ein starkes Azorenhoch einem kräftigen Islandtief gegenüber, so ist wechselhaftes und windiges Westwetter die Folge. Dieser NAO-Index kann aber auch negative Werte annehmen – in der Folge steigen hierzulande im Winter die Heizkosten.

In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war der NAO-Index häufig positiv, die Winter bei uns in der Folge überwiegend mild. Beispielsweise in den Wintern 2009/10 und 2010/11 traten jedoch häufig blockierte Wetterlagen auf und die unterdurchschnittlichen Temperaturen gingen mit einem oft negativen NAO-Index einher. In den vergangenen Wintern überwog dann wieder die positive Phase der NAO und die Witterung war entsprechend überwiegend mild.

Leider ist es bisher noch nicht gelungen, die komplexen Zusammenhänge zu entschlüsseln, welche das Verhalten der NAO bestimmen. Eine längerfristige Prognose ist also nicht möglich. Falls die aktuelle Wetterlage mit positivem NAO-Index in den kommenden Wochen wieder häufiger auftreten sollte, so würde uns ein typischer „Schmuddelwinter“ ins Haus stehen.

Freitag, 10. November 2017

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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