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Wetterthema

06.10.2017

Wie beeinflusst das Wetter den Termin und die Art der herbstlichen Blattverfärbung?

Mittlerweile lässt es sich nur noch schwerlich übersehen: wir befinden uns mitten im Herbst und die Blätter leuchten zunehmend schillernd Gelb, Orange oder Rot. Doch nicht jedes Jahr vollzieht sich die Blattverfärbung zur gleichen Zeit und auch die Zusammensetzung von Gelb- und Rottönen weisen zum Vorjahr mitunter deutliche Unterschiede auf. Hierbei spielt das Wetter eine entscheidende Rolle.

Wenn im Herbst die Tage kürzer werden und die Sonnenstrahlen immer flacher einfallen, stellen Laubbäume die Photosynthese ein, die mittels Blattgrün, also dem Chlorophyll bewerkstelligt wird. Das wertvolle Chlorophyll und Nähstoffe werden durch Stoffwechselvorgänge abgebaut und aus den Blättern abgezogen. Nach dem Laubfall kann über die große Blattoberfläche auch kein Wasser mehr verdunsten, welches während Ruhephase nur schwer aus mitunter gefrorenen Böden ersetzt werden könnte.

Neben der Tageslänge steuert vor allem die nächtliche Abkühlung aber auch die Bodenfeuchte die Blattverfärbung. Mehrere kühle Nächte in Folge beschleunigen den Abbau des Chlorophylls und damit die Verfärbung von Grün nach Gelb oder Rot. In Phänologischen Gärten werden Entwicklungen bestimmter Zeigerpflanzen verglichen an denen die phänologischen Jahreszeiten festgemacht werden. Beispielsweise bestimmt unter anderem die Verfärbung der Rotbuche den Beginn des Vollherbstes, welcher hierzulande in etwa um den 10. Oktober einsetzt, beginnend in den Höhenlagen der Mittelgebirge. Bis zum Laubfall und damit bis zum Beginn des Spätherbstes vergehen dann noch etwa weitere zwei Wochen.

Aber nicht nur der Termin, sondern auch die Intensität der Rotfärbung ist witterungsabhängig. Zu viel Sonnenschein beeinträchtigt die Wiedergewinnung der Nährstoffe aus den alternden Blättern. Zum Schutz bilden die Bäume sogenannte Anthocyane, Pflanzenfarbstoffe die eine besonders kräftige Rottönung zur Folge haben. Optimale Bedingungen für eine besonders prachtvolle Blattverfärbung sind ruhige Hochdruckwetterlagen mit viel Sonnenschein und kühlen, aber noch frostfreien Nächten. Denn Frost zerstört die Anthocyan-Produktion und verhindert damit eine weitere Rotfärbung.

In der Folge finden sich in den Blättern mehr Carotinoide, die den Blättern eher eine gelbe bis orangene Färbung verleihen. Trockenstress in der Wachstumsperiode kann zu einer verfrühten Ausbildung der Trennschicht zwischen Blatt und Zweig führen, wodurch die Blätter verfrüht vor einer möglichen Verfärbung abfallen. Zudem kann windiges und regnerisches Wetter die Blätter vor voll ausgebildeter Verfärbung abfallen lassen.

Freitag, 6. Oktober 2017

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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