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Wetterthema

28.08.2017

Warum so viel Regen?

Hurrikan "Harvey" sorgt für weiteren extremen Starkregen.

Die prognostizierten Regenmengen durch „Harvey“ muteten im Vorfeld selbst für altgediente Meteorologen fast surreal an. Doch wie sich jetzt leider herausstellt waren diese sogar noch zu niedrig! Und für die kommenden Tage werden weitere rekordverdächtige Regenfälle erwartet.

Dabei sind die bereits gefallenen Regensummen unglaublich groß. Im etwa 40 km östlich von Houston gelegenen Baytown beispielsweise fielen seit Samstag innerhalb von 48 Stunden sage und schreibe 938 Liter auf den Quadratmeter, allein am Sonntag waren es 733 Liter! Das entspricht ist in etwa der Jahressumme in Hamburg. Der deutschlandweite Regen-Rekord innerhalb von 24 Stunden beträgt 312 Liter pro Quadratmeter, gemessen in Zinnwald im Erzgebirge am 12.8.2002. Das damit in Verbindung stehende Elbe-Hochwasser wird als Jahrhundertereignis eingestuft.

Im Großraum Houston wurden bis Sonntag an insgesamt sechs Wetterstationen 2-tägige Regensummen über 750 Liter pro Quadratmeter gemessen und an mindestens 13 Stationen über 500 Liter. Doch das ist bei weitem noch nicht das Ende der Fahnenstange, denn bis Freitag werden von den Wettermodellen gerade im Großraum Houston weitere Regenfälle von über 500 Liter pro Quadratmeter simuliert. Dann wird wahrscheinlich der US-Allzeit-Rekord für Regenmengen in Verbindung mit einem Hurrikan gebrochen werden. Dieser beträgt 1220 Liter und wurde 1978 im Zuge des Tropensturms Amelia aufgestellt.

Wieso produziert Harvey so exorbitante Regenfälle? In dieser Hinsicht kann er als perfekter Sturm bezeichnet werden, auch wenn das mit Blick auf das Leid der betroffenen Bevölkerung etwas zynisch klingen mag. Denn ein Hochdruckgebiet über Colorado und New Mexiko versperrt dem mittlerweile zum Tropensturm heruntergestuften Harvey quasi den Weg nach Norden ins Landesinnere. Bis Donnerstag verlagert sich sein Zentrum nach aktuellen Prognosen sogar wieder auf das offene Meer hinaus um sich in der Folge nur sehr langsam wieder einem Küstenabschnitt im Grenzgebiet zwischen Texas und Louisiana anzunähern.

Dadurch hält das System fatalerweise weiter Kontakt zu den 30 Grad warmen Meeresoberfläche im Golf von Mexiko, von wo es seine Energie in Form von verdunstetem Wasserdampf bezieht, was den Sturm weiter am Leben erhält. Diese Feuchtigkeit wird innerhalb des sich gegen den Uhrzeigersinn drehenden Tropensturms auf das Festland geführt, wo sie auf eine Luftströmung aus Nordwesten trifft und dadurch zum Aufsteigen gezwungen wird, was den extrem intensiven Starkregen auslöst. Diese besonderen Umstände bleiben bis Donnerstag weiterhin bestehen und machen Harvey dadurch zu einer "Regen produzierenden Maschine", wie sie in historischer Zeit noch nicht beobachtet wurde.

Montag, 28. August 2017

Tim Staeger ARD-Wetterredaktion

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