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Wetterthema

17.07.2017

Hochsommer

Um diese Jahreszeit wird typischerweise die höchste Temperatur gemessen, obwohl die Tage schon wieder kürzer werden – wieso?

Subtropische Warmluft lässt die Temperatur hierzulande bis Mittwoch verbreitet über 30 Grad ansteigen. Bis zum Wochenende bleibt es zumindest im Süden hochsommerlich heiß. Das ist um diese Jahreszeit auch nicht ungewöhnlich, denn normalerweise ist zwischen Mitte Juli und Anfang August die heißeste Zeit des Jahres. Die Tageslänge und damit die Sonneneinstrahlung nehmen jedoch seit der Sommersonnenwende am 21. Juni bereits wieder ab. Ist das ein Widerspruch?

Die Tagesmitteltemperatur lag im Juli zwischen 1981 und 2010 deutschlandweit bei durchschnittlich 18,0 Grad, wohingegen sie zur Zeit der Sommersonnenwende nur etwa 16,0 Grad betrug. Auch im August ist es mit durchschnittlich 17,5 Grad noch deutlich wärmer, als im Juni. Gleiches gilt übrigens auch für den Winter, denn am kältesten ist es im Januar und Februar, nicht im Dezember, wenn die Tage am kürzesten sind.

Die Sonnenenergie, die entlang des 50.ten Breitengrades den Erdboden erreicht, ist im Juni mit durchschnittlich etwa 476 Watt pro Quadratmeter am höchsten, im Juli beträgt sie 452, im August sogar nur noch 374 Watt pro Quadratmeter. Entsprechend findet sich im Dezember mit 93 Watt der geringste Wert, im Januar sind es bereits wieder 104, im Februar dann schon wieder 151 Watt pro Quadratmeter.

Die Lösung dieses Rätsels findet sich weit im Westen. Dort liegt der Nordatlantik mit seinen gewaltigen Wassermassen. Und Wasser hat eine sehr große Wärmekapazität. Das bedeutet, man muss sehr viel Energie aufwenden, um es zu erwärmen. So benötigt man etwa 1000 Joule Energie um ein Kilogramm Luft um 1 Grad zu erwärmen, für Wasser ist dafür die vierfache Energiemenge notwendig. Entsprechend speichert es die erhaltene Wärme sehr lang, was man sich unter anderem bei Wärmeflaschen in kühlen Nächten zu nutze machen kann.

Aus diesem Grund erwärmt sich das oberflächennahe Wasser im Nordatlantik entsprechend langsam und erreicht die höchste Temperatur erst ungefähr 6 Wochen nach der Sommersonnenwende, also Ende Juli oder Anfang August. Da unser Wetter oft von Luftmassen geprägt wird, die vom Meer her kommen und durch dessen Temperatur charakterisiert werden, sind auch hierzulande die sogenannten Hundstage, also die hochsommerlichen Hitzewellen erst um diese Zeit zu erwarten.

Die gute Wärmespeicherung des Wassers beschert uns auch Ende September ein mitunter noch spätsommerliches Temperaturniveau. Im März, wenn die Tage ähnlich lang sind, liegt die Mitteltemperatur etwa neun Grad tiefer und es kann um diese Jahreszeit nochmals richtig winterlich werden. Auch der Hochwinter kann erst mehrere Wochen nach der Wintersonnenwende, etwa Mitte bis Ende Januar Einzug halten, wenn die Meere die gespeicherte Wärme des Vorjahres verloren haben. Doch davon kann man in den nächsten Tagen nur träumen, oder man freut sich, dass der Winter noch fern ist.

Montag, 17. Juli 2017

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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