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Wetterthema

14.07.2017

Der Monsun

Im Norden Pakistans haben heftige Monsunregenfälle am Donnerstag mehrere Menschenleben gefordert.

Die Opferzahlen schwanken zwischen 12 und 19, könnten aber noch steigen. Die meisten starben durch einstürzende Dächer nach Überflutungen und durch elektrische Schocks infolge schlecht isolierter Kabel. Auch im Norden Indiens und in Nepal wurden innerhalb von 48 Stunden bis zu 500 Litern Regen pro Quadratmeter verzeichnet. So viel fällt hierzulande in einem halben Jahr. Auch in den kommenden Tagen werden im Stau des Himalaya und des Karakorum weitere kräftige Regenfälle erwartet.

Die regelmäßige Wiederkehr des indischen Monsuns liegt in den meteorologischen Besonderheiten der Tropen begründet. Denn aus den wolkenarmen Hochdruckgürteln der Subtropen strömt beständig Luft von Nordosten und Südosten in Richtung Äquator. Diese beständigen Winde nutzten in früheren Jahrhunderten die Seefahrer für ihre Passagen in die Neue Welt, weswegen man auch von den Passatwinden spricht.

Dort wo die Passate zusammenstoßen, müssen die Luftmassen nach oben ausweichen, wodurch es in dieser sogenannten innertropischen Konvergenzzone (ITK) zu ausgeprägter Hebung mit entsprechend starken Regenfällen kommt. Die ITK wandert im Jahresverlauf, dem Sonnenhöchststand folgend, von etwa 10 Grad südlicher Breite im Südsommer auf etwa 10 bis 15 Grad nördlicher Breite im Nordsommer. Nun führt die Aufheizung des indischen Subkontinents im Nordsommer dazu, dass dort die ITK weit auf die Nordhalbkugel wandert und dort eine ausgeprägte Ausbuchtung erfährt.

Aufgrund der Erddrehung erfahren die großräumigen Passate, die vom hohen zum tiefen Druck strömen eine Ablenkung, die auf der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhalbkugel nach links wirkt. Überschreitet der Südostpassat den Äquator, so wirkt die Erddrehung genau entgegengesetzt auf die Winde, so dass diese ihre Richtung ändern und dann aus Südwesten kommend die Niederschläge nach Indien bringen. Dabei wandert die Grenze des Monsunregens von Südosten über den Golf von Bengalen nach Indien.

Die heftigsten Regenfälle gibt es dabei direkt an den Hängen des Himalayas, wo die mit Feuchtigkeit voll beladenen Wolken abregnen. Der Weltrekord der innerhalb eines Jahres gefallenen Niederschlagssumme stammt aus Cherrapunji im nordindischen Bundesstaat Meghalaya nahe dem Himalaya. Hier wurden zwischen dem 1.8.1860 und dem 31.7.1861 24461 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gemessen. Das entspricht einer Wassersäule von über 24 Metern!

Freitag, 14. Juli 2017

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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