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Wetterthema

11.07.2017

Extreme

Ist die aktuelle Häufung von Wetterextremen weltweit purer Zufall oder spielt hierbei der Klimawandel eine Rolle?

Dieser Tage häufen sich wieder die Meldungen über extreme Wetterlagen: Überschwemmungen und Erdrutsche nach den extremsten Regenfällen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Japan und hunderte Waldbrände in Kalifornien und in Britisch Columbia infolge andauernder Hitze und Trockenheit und auch hierzulande Starkregen und schwere Gewitter. Da stellt sich die Frage, ob diese Extreme oder nur die Berichterstattung darüber systematisch zunehmen.

Als Extreme bezeichnet man in der Klimatologie alle hinreichend seltenen Ereignisse. Hierbei ist das Spektrum der Erscheinungen recht breit. Starkniederschläge, Stürme, Dürren oder Hitzewellen sind einige Beispiele. Um Extreme quantitativ zu erfassen sollte man in Erfahrung bringen, was als normal zu gelten hat. Hierzu werden möglichst lange Beobachtungen benötigt, aus denen man die statistische Verteilung der Ereignisse schätzen kann. Mit diesem Wissen kann man dann die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Einzelereignisses ableiten. Da Wetterextreme jedoch naturgemäß so selten sind, ist es nicht immer möglich verlässliche Aussagen über häufigeres oder selteneres Auftreten zu erhalten.

Die Versicherungen, die für die Schäden von Naturkatastrophen aufkommen müssen, beobachten diese Veränderungen mit größter Aufmerksamkeit. Die Münchener Rückversicherung (Munich RE) verzeichnet eine systematische und weltweite Zunahme großer meteorologischer Naturkatastrophen wie Stürme und Überschwemmungen seit 1950. Zudem treten seit 1970 zusätzlich Schäden durch Hitzewellen, Dürren und Waldbränden auf. Hierbei ist ein Zusammenhang mit der globalen Erwärmung naheliegend. Eine Zunahme der Häufigkeit und Intensität tropischer Wirbelstürme aufgrund sich erwärmender Ozeane ist zwar plausibel, aber bisher noch nicht signifikant nachgewiesen.

Die beobachtete Häufung von extremen Niederschlagsereignissen über den Kontinenten steht wahrscheinlich ebenfalls mit der globalen Erwärmung in Verbindung, da eine wärmere Atmosphäre mehr Wasserdampf enthalten kann, was zu ergiebigeren Niederschlägen führen sollte. Ein direkter Nachweis dieses Zusammenhangs ist jedoch schwer zu führen.

Auch in Deutschland sind Wetterkatastrophen in den vergangenen Jahrzehnten gehäuft aufgetreten. Die Münchner Rückversicherung hat zwischen 1970 und 2010 insgesamt 624 Ereignisse registriert. Mit 72 Prozent sind hierbei Stürme am häufigsten vertreten, 20 Prozent entfallen auf Hochwasser und lediglich acht Prozent auf Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, welche jedoch mit Abstand die meisten Todesopfer forderten. Denn 94 Prozent der seit 1980 in Deutschland zu beklagenden Todesopfer infolge von Wetterkatastrophen – immerhin 9700 Personen – gehen auf das Konto von Hitzewellen. Den mit Abstand größten Anteil hieran hat der Rekord-Hitzesommer des Jahres 2003.

Eine weitere Zunahme von Wetterextremen in den kommenden Jahrzehnten gilt unter Klimatologen jedoch als sehr wahrscheinlich. Eine engmaschigere Berichterstattung führt sicherlich auch zu einer subjektiv empfundenen Häufung von Naturkatastrophen, kann jedoch nicht über eine objektiv nachgewiesene Zunahme hinwegtäuschen.

Dienstag, 11. Juli 2017

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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