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Wetterthema

27.06.2017

Der Siebenschläfer

Für den heutigen 27. Juni gilt eine der wohl bekanntesten Bauernregeln: "Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag". Kann man mit dieser Regel tatsächlich eine Aussage treffen, oder ist sie bedeutungslos?

Unsere Abbildung zeigt in ihrem oberen Teil die prognostizierte Temperatur in 1500m Höhe über der Mitte Hessens. Mit ihr lässt sich im Sommerhalbjahr schnell erkennen, ob die Temperatur über- oder unterdurchschnittlich sein wird. Die graue Fläche gibt dabei einen Unsicherheitsbereich an. Der untere Teil der Abbildung enthält eine Regenvorhersage mit Unsicherheitsbereich, ebenfalls für die Mitte Hessens. Auch hier geht es nur darum schnell zu erkennen, ob trockenes oder verregnetes Wetter zu erwarten ist.

Im Zusammenhang mit dem Siebenschläfer sind mehrere Dinge zu beachten. Die Regel wurde zu einer Zeit aufgestellt, als noch der auf Julius Cäsar basierende Julianische Kalender galt. Dieser war schon sehr fortschrittlich, in dem er das Jahr anhand der Sonnenbahn definierte. Er berücksichtigte sogar schon durch eine Schaltjahresregel, dass ein Umlauf der Erde um die Sonne nicht genau 365 Tage dauert. Doch diese war noch nicht ganz exakt. Pro Jahr entstand eine Abweichung von 11 Minuten. 1600 Jahre nach Einführung des Julianischen Kalenders hatte sich der Jahresbeginn gegenüber dem Sonnenstand um 10 Tage verschoben. Im Jahre 1582 korrigierte das Papst Gregor XIII, indem er die Schaltjahresregel verfeinerte und im Kalender des Jahres 1582 einfach 10 Tage übersprang. Seitdem benutzen wir den Gregorianischen Kalender. Aus dem 27. Juni wurde plötzlich der 7. Juli. Somit gilt die Siebenschläferregel eigentlich für den 7. Juli, allerdings auch das nicht ganz genau. Als sie aufgestellt wurde, betrug die Verschiebung noch nicht die vollen 10 Tage.

Grundsätzlich sollte man Bauernregeln ohnehin nicht an einem einzigen Tag fix machen. Es ist immer wichtig, einen Zeitraum von einigen Tagen zu betrachten. Statistische Auswertungen zeigen, dass die Strömungsverhältnisse über Mitteleuropa im Hochsommer oft für einige Wochen recht konstant sind. Da gibt es die kühlen Sommer, in denen atlantische Tiefausläufer auf einer relativ südlichen Zugbahn immer wieder kühle Meeresluft aus Westen und Nordwesten zu uns führen. Dann gibt es aber auch Sommer, in denen die Zugbahn der Tiefs weit im Norden über Skandinavien verläuft, so dass sich in Deutschland immer wieder Hochdruckeinfluss durchsetzt. Deshalb hält das Wetter, wie es Ende Juni / Anfang Juli herrscht, mit 60 bis 70 prozentiger Wahrscheinlichkeit auch in den Folgewochen an. Durch diese Anwendung der Siebenschläferregel wird aus ihr eine der aussagekräftigsten Bauernregeln. Doch was bedeutet ihre Anwendung für den Sommer 2017?

In den kommenden Tagen ist kein stabiles Hochdruckgebiet in Sicht. Stattdessen bestimmt ein relativ weit südlich liegendes Tief unser Wetter für einige Tage. Es ist unbeständig mit Gewittern und zum Teil ergiebigen Regenfällen. Am Wochenende beruhigt sich das Wetter, es ist aber kühl. Im Verlauf der kommenden Woche deutet sich eine Erwärmung an, ein Hoch setzt sich jedoch höchstens für kurze Zeit durch. Rasch folgen neue Tiefs. Sollte diese Vorhersage eintreffen und sich das Wetter anschließend an die Siebenschläferregel halten, stünde uns ein eher durchwachsener und damit recht normaler deutscher Hochsommer bevor.

Montag, 19. Juni 2017

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

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