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Wetterthema

20.04.2017

Die vergangene Nacht war in weiten Teilen Deutschlands sehr kalt und somit sind vermutlich teilweise große Schäden in Obstanbaugebieten und Weinbergen entstanden. Allerdings waren die Tiefsttemperaturen nicht rekordverdächtig.

Seit Tagen frieren viele Menschen in Deutschland, weil eingeflossene Polarluft landesweit für sehr kühle Temperaturen sorgt. Besonders die vergangene Nacht war überall sehr kalt und vereiste Autoscheiben dürften keine Seltenheit gewesen sein. Dies ist allerdings nur ein sehr kleines und schnell zu behebendes Problem. Ganz anders stellt es sich für den Obst- und Weinbau dar. Dadurch, dass die vergangenen Wochen oftmals sehr milde, ja teilweise sommerliche Temperaturen mit sich gebracht haben, ist die Natur förmlich explodiert. Beispielsweise erfolgte die Apfelblüte deutschlandweit etwa 10 Tage früher als im Mittel und auch die Süßkirsche blühte etwa 10 Tage zu früh. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Austrieb der Knospen an den Weinreben, denn hier erfolgte der Austrieb in etwa zwei Wochen früher als im langjährigen Mittel. Frostschäden an den Knospen oder den ersten kleinen Blättern der Weinreben entstehen bereits bei leichtem Frost unter -2 Grad. Daher standen in der letzten Nacht sicherlich vielen Winzern die Schweißperlen auf der Stirn, denn die eingeflossene Polarluft brachte unter anderem auch in den Weinanbaugebieten am Rhein oder im nördlichen Württemberg kalte Tiefstwerte mit sich. Beispielsweise sank die Temperatur in Mühlacker letzte Nacht auf -4,9 Grad und auch in Alzey wurden -3,1 Grad als Tiefstwert erreicht. Somit ist davon auszugehen, dass in den Weinbaugebieten durchaus Frostschäden entstanden sind. Die obenstehende Grafik zeigt beispielsweise Frostschäden an Knospen und jungen Blättern in einem Weinberg in Ensingen im Stromberggebiet. Sehr gut ist ein Frostschaden daran zu erkennen, dass sich die Blätter braun verfärben. Dort wo also in der vergangenen Nacht keine Schutzvorkehrungen wie Frostschutzberegnung oder das Entzünden von kleinen Feuern getroffen wurden, ist durchaus mit einigen Frostschäden zu rechnen. Der Umfang der Schäden kann jedoch noch nicht bestimmt werden. Außerdem besteht die Hoffnung, dass es Nachtriebe gibt, die zumindest einen Teil der zu erwartenden Ernteeinbußen auffangen können.
Mehrere Bedingungen müssen gegeben sein, damit überhaupt Frostschäden auftreten. Dazu gehört, dass sich die Pflanzen in einem empfindlichen Stadium befinden, dass es zu einer staken Abkühlung kommt, dass die Luftfeuchtigkeit sowie der Bedeckungsgrad gering sind, dass es windstill ist, dass der Boden nur wenig oder keine Wärme nachliefert und dass sich örtliche Kaltluftseen bilden. All diese Kriterien waren in der letzten Nacht erfüllt und auch in der kommenden Nacht wird es vor allem in der Mitte und dem Süden des Landes nochmals eng für die Winzer und Obstbauern.
Am kältesten war es heute Morgen in Oberstdorf, denn hier sank die Temperatur auf -10,1 Grad. Auch in Faßberg war es mit -6,4 Grad empfindlich kalt. Rekordwerte sind dies allerdings für eine zweite Aprildekade (10 – 20. April) nicht, auch wenn beispielsweise in Oberstdorf hierfür nur acht Zehntel gefehlt haben. Dennoch war die vergangene Nacht in vielen Regionen die kälteste Nacht für so einen späten Zeitpunkt im April seit 20 Jahren.


20. April 2017
Dipl.-Met. Marcel Schmid
ARD-Wetterredaktion

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