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Wetterthema

20.03.2017

Schauerwetter

Was unterscheidet einen Schauer vom Landregen und wie entstehen sie?

Trotz kalendarischem Frühlingsbeginn am Montag zeigt sich das Wetter in den nächsten Tagen eher von seiner unbeständigen Seite. Am Dienstag stehen vor allem im Norden und in der Mitte auch zahlreiche Schauer auf dem Programm. Was ist in der Atmosphäre los, damit es zu den kurzen aber mitunter heftigen Niederschlagsereignissen kommt?

Jeder hat es schon erlebt: Gerade schien noch die Sonne und scheinbar wie aus dem Nichts geht ein kräftiger Schauer mit lebhaft auffrischendem Wind nieder. Nach 10 Minuten ist der Spuk vorbei und im ungünstigsten Fall die Kleidung durchnässt. Ganz anders verhält es sich beim typischen Landregen, bei dem es stundenlang gemächlich vor sich hin nieselt während sich die Stimmung immer mehr eintrübt.

Wenn Luft zum Aufsteigen gezwungen wird, der Meteorologe spricht von erzwungener Hebung, kühlt sich diese ab, da sie sich aufgrund des abnehmenden Umgebungsdrucks Ausdehnen kann. Die kältere Luft kann die in ihr enthaltene Feuchtigkeit nicht mehr halten, es kommt zur Wolkenbildung und auch zu Niederschlägen.

Nun gibt es verschiedene Prozesse, die eine Hebung erzwingen. Beim Landregen gleitet eine relativ warme Luftmasse langsam über eine vorhandene kalte und dadurch schwere Luftmasse auf. Typischerweise findet dies an der Warmfront eines Tiefdruckgebietes statt, welche im Idealfall vor der Kaltfront ankommt. Dadurch kommt es zu dem lang anhaltenden, großflächigen und recht gleichförmigen Niederschlag, bei dem es auch meist eher schwachwindig ist.

Strömt nun aber Kaltluft in höheren Schichten in ein Gebiet ein, so wird die zuvor stabile Schichtung labilisiert. Denn aufsteigende Luft kühlt sich in einer stabilen Schichtung ab und sinkt dadurch wieder in ihr Ausgangsniveau zurück. Ist die neue Umgebung jedoch kälter als die sich bereits abgekühlte Luft, so steigt diese weiter auf und es kommt zu sogenannten konvektiven Prozessen. Dabei wird die Luft in der vertikalen durchmischt und es kommt zu heftigen Entwicklungen wie Schauern und Gewittern. Durch den Zufluss kalter Luftmassen in mehreren Kilometern Höhe, wie es derzeit der Fall ist werden also Schauer und Gewitter ausgelöst begünstigt.

Es bedarf aber noch eines Auslösers: Im Hochsommer ist dies die nachmittägliche Erwärmung der bodennahen Luftschicht. Jedoch kann sich auch die Kaltfront eines Tiefs unter die vorliegende wärmere Luft schieben und diese anheben. Dieses Phänomen lässt sich in der Nacht auf und am Dienstag tagsüber gut beobachten, wenn die Kaltfront des Tiefs Dieter über dem Nordmeer sich von Nordwesten über Deutschland südostwärts verlagert.

Hinter dieser Kaltfront fließt vor allem in mehreren Kilometern Höhe deutlich kältere Luft ein, die eine Labilisierung der Atmosphäre bewirkt und dadurch die Schauerneigung stark ansteigen lässt. Die Ende März schon wieder recht kräftige Sonneneinstrahlung wird dann vor allem im Nordwesten, wo die Kaltluft am Nachmittag schon eingeflossen sein wird, die Schauertätigkeit zusätzlich befeuern.

Montag, 20. März 2017

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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