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Wetterthema

14.03.2017

Blizzard Stella

Am Dienstag tobt im Nordosten der USA ein später Wintersturm.

Hierzulande kann man sich am heutigen Dienstag in der wärmenden Märzsonne schon mal auf den beginnenden Frühling einstimmen während jenseits des großen Teichs der heftigste Wintersturm der Saison vielerorts das öffentliche Leben lahmlegt. Von Pennsylvania über den Staat New York bis nach Maine ist eine Blizzard-Warnung aktiv. In den am stärksten betroffenen Gebieten werden bis zu 90 cm Neuschnee erwartet.

Das verantwortliche Tief Stella ist am Montag aus dem Golf von Mexiko, wo die Wasseroberflächentemperatur verbreitet über 25 Grad liegt, sehr rasch nordwärts entlang der US-Ostküste gezogen. Am Dienstag mischt es durch seine Rotation gegen den Uhrzeigersinn fatalerweise sehr kalte Polarluft aus Kanada mit ein. In der Ursprungsregion dieser Kaltluft nördlich der Großen Seen lagen die Tiefstwerte in der Nacht auf Dienstag verbreitet unter minus 20 Grad.

Diese extremen Temperaturgegensätze in Verbindung mit dem großen Feuchteangebot sind die Zutaten für ein sich rapide intensivierendes Tief, dessen Druckfall innerhalb von 24 Stunden fast 24 hPa betragen wird, wodurch es die Kriterien einer sogenannten Wetterbombe erfüllen würde. Diese auch als Nor’eastern bezeichneten Sturmtiefs haben auch in der Vergangenheit bereits zu heftigen Unwettern geführt, wie der berühmt-berüchtigte Schoolchildren’s Blizzard, dem am 12 Januar 1888 sehr viele Schulkinder zum Opfer fielen, die zu Beginn des Unwetters von ihren Lehrern nach Hause geschickt wurden und dann auf dem Heimweg erfroren.

Dies ist zwar dank professionellem Warnmanagement heutzutage zum Glück nicht mehr zu erwarten, trotzdem wird auch dieser Blizzard in den betroffenen Gebieten das öffentliche Leben lahmlegen. Denn in einem breiten Korridor vom östlichen Pennsylvania über New York, Connecticut, und Massachusetts bis nach Vermont, New Hampshire und Maine werden Neuschneemengen von bis zu 50 cm erwartet, im Extremfall sind sogar bis zu 90 cm vorhergesagt. Auch in den Metropolen New York City und Boston werden 30 bis 50 cm erwartet, in Philadelphia sind es voraussichtlich 10 bis 20 cm und in Washington D.C. wahrscheinlich nur 2 bis 8 cm.

Erschwert wird die Prognose durch die recht scharfe Grenze zwischen Schneefall- und Regengebieten, da in dem sehr dynamischen Sturm stark unterschiedlich temperierte Luftmassen kollidieren. Zieht das Tiefdruckzentrum auf dem Atlantik etwas näher an der Küste entlang, wie aktuelle Modelläufe simulieren, verschiebt sich auch das Schneefallgebiet landeinwärts nach Westen. Da die Übergangszone genau entlang dem sogenannten Interstate 95-Korridor verläuft, dem Highway, der die Ballungsräume Boston, New York City, Philadelphia und Washington D.C. miteinander verbindet, können leichte Veränderungen der Zugbahn große Auswirkungen haben.

In der Nacht auf Mittwoch wird der Schneefall nach Nordosten abziehen und der Sturm zur Ruhe kommen. Dann wird jedoch auf der Rückseite des Tiefs eisige Polarluft weit nach Süden vorgestoßen sein und den tief verschneiten Gebieten zudem einen markanten Temperatursturz bescheren. In New York City wird am Mittwoch dann Dauerfrost zwischen minus 2 und minus 7 Grad herrschen. Dort wurde die 20-Grad-Marke übrigens dieses Jahr bereits am 1. März geknackt. Extreme Schneestürme mit mehr als 30 cm Neuschnee sind im Big Apple zwar durchaus nichts Ungewöhnliches, seit 1869 wurden dort bereits 36 gezählt, im März sind sie aber schon ungewöhnlich. Der letzte pfiff dort am 4. März 1960 durch die Straßenschluchten.

Am Freitag jedenfalls, wenn die Bundeskanzlerin ihren für Dienstag angesetzten Besuch in Washington D.C. nachholt, ist der Spuk bereits wieder vorbei. Dann wird in der US-Hauptstadt eine Höchsttemperatur von 9 Grad erwartet, dazu ist es wechselnd bewölkt und voraussichtlich zumindest tagsüber meist trocken bei einem schwachen Wind aus südwestlichen Richtungen.

Dienstag, 14. März 2017

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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