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Wetterthema

07.03.2017

Hagel oder Graupel?

Jetzt ist wieder die Zeit der Schauerwolken. Egal ob Regen, Schnee oder aber Graupel, oft ist von allem etwas dabei. Doch wodurch unterscheiden sich Graupel und Hagel?

So unterschiedlich die Entstehungsprozesse von Hagel und Graupel auch sind, so relativ einfach lassen sich beide Niederschlagsformen anhand von 3 Punkten unterscheiden.
Graupel ist nicht größer als 5 Millimeter im Durchmesser, er ist undurchsichtig und er lässt sich zwischen zwei Fingern leicht zerdrücken.
Beim Hagel sieht es da ganz anders aus. Da er aus Eis besteht, lässt sich Hagel erstens nicht mit bloßen Fingern zerdrücken, er ist zweitens teilweise durchsichtig und er kann in Extremfällen eine Größe von 20 Zentimeter!! im Durchmesser erreichen. Diese Rekord- Hagelgröße wurde übrigens am 23. Juli 2010 im US-Bundesstaat South Dakota gemessen. Der Hagel kam im Zuge einer Superzelle zustande, die sich in der Nähe des Ortes Vivian bildete und diesen fast 1 kg schweren Eisklumpen ablud.

Graupel entsteht in nicht zu feuchtigkeitsbeladenen Cumulus- oder Cumulonimbuswolken auf. Das zeitliche Auftreten von Graupel beschränkt sich etwa auf die Monate Februar bis Mai, denn genau sind die Feuchtigkeitsgehalte in der Atmosphäre noch nicht so hoch. Die Temperaturunterschiede zwischen Erdboden und den höheren Atmosphärenschichten sind nun zwar schon recht groß und erzeugen teilweise auch schon ordentliche Aufwinde, aber im Gegensatz zum Hochsommer ist das noch harmlos. Und so geraten Schneekristalle sowie unterkühlte Wassertropfen, beide kommen in den oben genannten Monaten in Cumulus- und Cumulonimbuswolken vor, in den Aufwindzonen der Wolke aneinander und verklumpen oder verkleben miteinander. Ein relativ loses Konglomerat von Schnee, Wasser und Lufteinschlüssen entsteht. Wird es zu schwer für den Aufwind, fällt es als weißes, undurchsichtiges und oftmals deformiertes Körnchen zu Boden. Diese Körner sind nach maximal einer Stunde weggetaut. Das wichtigste Indiz für Graupel ist: Man kann das Korn mit den Fingern zerdrücken.

Im Sommer und Hochsommer ist die Luft viel feuchter. Die Cumulonimbuswolken (Gewitterwolken) schießen auf Grund der großen Temperaturunterschiede zwischen Erdboden und höheren Atmosphärenschichten bis zu 12 km in die Höhe. Sie bestehen in den unteren Bereichen aus Wassertröpfchen oder unterkühlten Wassertröpfchen und vor allem in den oberen Bereichen aus Schnee und Eis. Beginnt nun ein Schneekristall zu fallen, so gelangt es irgendwann auch in den Temperaturbereich über 0°C und es taut. In den Aufwindzonen der Wolke wird es zum Teil wieder hoch hinauf getragen und gefriert wieder. Fällt es wieder hinab, so lagern sich neue Wassertropfen an. Dieses Spiel zwischen Auf und Ab, zwischen Gefrieren und Antauen, geschieht solange, bis der Aufwind den Eisklumpen nicht mehr halten kann. In einem Hagel lassen sich üblicherweise klare, durchsichtige und trübe, undurchsichtige Schichten erkennen. Klare Schichten enthalten nur Eis, undurchsichtige Schichten auch kleine Lufteinschlüsse. Das sichere Indiz für Hagel ist: Man kann ihn niemals mit bloßen Händen zerdrücken.


07. März 2017
Dipl.-Met. Michael Köckritz
ARD-Wetterredaktion

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