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Wetterthema

01.03.2016

Einer der mildesten Winter

Der meteorologische Winter ist zu Ende – Zeit Bilanz zu ziehen.

Es ist kein Geheimnis, dieser Winter verlief sehr mild, lediglich im Nordosten gab es im Januar eine Kältewelle. Untern Strich kam der Winter deutschlandweit sogar auf den geteilten zweiten Platz und zwar seit mindestens 1881, dem Beginn flächendeckender Temperatur-Messungen.

Noch milder war es nur im Winter 2006/07. Vor neun Jahren betrug die bisherige Rekord-Abweichung 4,2 Grad vom Mittel aus den Jahren 1961 bis 1990, der aktuell gültigen Referenzperiode. Im aktuell zu Ende gegangenen Winter war es mit einer deutschlandweiten Abweichung von 3,4 Grad so mild wie in den Wintern 1974/75 und 1989/90.

Ursache hierfür waren Tiefdruckgebiete, die immer wieder milde Atlantikluft nach Deutschland beförderten. Lediglich im Januar schafft es skandinavische Kaltluft kurzzeitig bis in den Nordosten Deutschlands. Der Dezember und Februar verliefen hingegen deutlich zu mild, ersterer ging mit einer Abweichung von 5,6 Grad sogar als mildester Dezember seit Messbeginn in die Annalen ein. Die höchste Temperatur wurde mit Föhnunterstützung am 22. Februar in Bad Reichenhall gemessen: 20,0 Grad. Der Tiefpunkt wurde dagegen mit minus 23,5 Grad in der Nacht auf den 18. Januar in Oberstdorf erreicht.

Betrachtet man die Abweichungen der Wintermittel seit 1881, so fällt die große Bandbreite, also die sogenannte Variabilität ins Auge. Besonders milde und kalte Winter können direkt aufeinander folgen, scheinen also völlig entkoppelt von einander zu sein. Etwas umgangssprachlicher formuliert kann man auch sagen, die Karten werden jedes Jahr neu gemischt.

Der kälteste Winter innerhalb des vorliegenden Zeitraums war 1962/63, als der Bodensee das letzte Mal ganz zufror. Aber auch der Kriegswinter 1939/40 sowie 1928/29 und 1946/47 waren extreme Strengwinter, wie sie seitdem nicht mehr aufgetreten sind. Alle besonders milden Winter wurden innerhalb der letzten 40 Jahre verzeichnet und spiegeln somit einen Trend wieder, der trotz der großen Schwankungsbreite die schleichende Erwärmung im Zuge des Klimawandels abbildet. Eine Prognose für den kommenden Winter ist aber trotzdem unmöglich. Ein milder Verlauf ist lediglich wahrscheinlicher, ein extremer Strengwinter unwahrscheinlicher als noch vor 50 oder 100 Jahren.

Dienstag, 1. März 2016

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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