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Wetterthema

04.01.2016

Gegner der Kaltluft

Große Temperaturunterschiede gibt es in der ersten Woche des Jahres 2016 in Deutschland. Während der Nordosten selbst tagsüber im mäßigen Dauerfrost bei bis zu -10°C verbleibt, hat sich im Südwesten Deutschlands an den milden Temperaturen nur wenig getan. Der Kampf der Luftmassen ist spannend und der Kaltluft liegen wirklich dicke Steine im Weg...

Endlich ist Winter – zumindest im Norden und Osten. Das merkt man dort auch an den Temperaturen. Bis zu -13°C frostig war es am Montagmorgen in Teilen Vorpommerns und Ostbrandenburgs. Mit einer lebhaften Ostströmung ist die Frostluft aus Russland seit dem Samstag (2. Januar) eingeflossen und hat sich nach Westen und Süden ausgebreitet. Ihre Dicke beträgt dabei an der Oder rund einen Kilometer. Nach Westen wird sie allerdings immer dünner und im Emsland erreicht sie keine 100 Meter mehr.

Wer nun gehofft hatte, dass sich der Dauerfrost auch im Westen und Süden rasch durchsetzt, der wird leider enttäuscht. Denn die Gegner der Frostluft sind nicht nur die zahlreichen atlantischen Warm- und Kaltfronten, die aktuell gegen den Kaltluftblock anlaufen. Auch die Orografie, also die Anordnung und die Verläufe der nördlichen deutschen Mittelgebirge, stehen im Weg. Die Frostluft kriecht, da sie sehr schwer ist, über dem Erdboden entlang gen Westen und Süden. Trifft sie auf ein Hindernis, so gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird das Hindernis komplett überströmt oder es wird umflossen. Im Osten ist die Kaltluft mächtig genug, dass Gebirge (Harz, Lausitzer Gebirge, Erzgebirge) einfach komplett überströmt werden und sämtliche Täler mit Frost geflutet werden. Nach Westen hin wird es dann aber schwieriger mit dem Vorankommen. Die Mächtigkeit von kaum 100 Metern macht es der kontinentalen schweren Kaltluft unmöglich die westlichen Mittelgebirge zu überströmen. Sie muss um diese Gebirge herum fließen.

Unsere Abbildung zeigt nummeriert von 1 bis 6 folgende Mittelgebirge: Teutoburger Wald, Eggegebirge, Habichtswald, Meißner, Thüringer Wald und Fichtelgebirge. Das Fichtelgebirge stellte für die Kaltluft kein großes Hindernis dar und die Frostluft konnte sich bis weit nach Franken hinein ausbreiten, so dass es dort am Montagmorgen bis zu 10 cm Neuschnee bei -3°C gegeben hat. Auch im Bereich des Thüringer Waldes ist die Mächtigkeit der Kaltluft noch groß genug, dass bis hinein in die bayerische Rhön Dauerfrost herrscht. In Hessen jedoch zeigt sich bereits ein anderes Bild: Hier ist die Dicke der Kaltluft schon so stark verringert, dass der 754 Meter hohe Meißner und selbst der nur 615 Meter hohe Habichtswald nicht mehr überströmt werden können. Daher sucht sich die Kaltluft nun die Täler der größeren Flüsse aus (Fulda, Weser oder Werra), um nach Westen und Süden zu gelangen. Während dabei in Eisenach mäßiger Frost von -5°C herrschte, waren es zur gleichen Zeit im hessischen Bebra „nur“ -1°C.
Es geht aber auch noch kleiner und feingliederiger. Südlich von Osnabrück verläuft der Teutoburger Wald und erreicht dort noch eine maximale Höhe von 331 Metern (Dörenberg), im Mittel bewegen sich die Höhen in dieser Region aber eher zwischen 250 und 300 Metern. So weit im Westen ist die Frostluft aber nur noch rund 100 Meter mächtig. Damit bildet der Teutoburger Wald ein natürliches Hindernis. Lediglich durch einige schmale Quertäler kann sie hindurch kriechen, doch meistens blieb ihr der Weg nach Südwesten versperrt. So war es in Osnabrück, knapp nördlich des Kammes des Teutoburger Waldes gelegen, bei -4°C dauerfrostig, während es südlich des Kamms in Lengerich 0°C und in Münster sogar leichte Plusgrade hatte. In Hörstel finden sich die letzten Ausläufer des Teutoburger Waldes mit gerade noch 100 Höhenmetern. Hier hatte die Frostluft wieder die Möglichkeit nach Süden abzubiegen und das tat sie auch: Rheine an der Ems verblieb im Dauerfrost bei -1°C. Glück gehabt, denn dort dürfte die Dicke der Kaltluft nur noch ein paar Meter betragen haben.
Das Jahr 2016 beginnt also extrem spannend und in den kommenden Tagen setzt sich der Kampf zwischen eisiger Festlandsluft und milder Atlantikluft bei uns fort.

4. Januar 2016
Dipl.-Met. Michael Köckritz
hr-Wetterredaktion

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