Wetterthema | tagesschau.de

Wetterthema

30.12.2015

Der Jahresrückblick

Welches Wetter haben Sie noch in Erinnerung, wenn sie an das zu Ende gehende Jahr 2015 denken? Vielleicht den wieder einmal milden Winter? Oder irgendein Unwetter? Wir wollen die Besonderheiten der vergangenen 12 Monate unter die Lupe nehmen.

Unsere Grafik zeigt die Abweichung der Monatsmitteltemperaturen des Jahres 2015 von den langjährigen Mitteln, bezogen auf die Fläche von ganz Deutschland (Datenquelle: Deutscher Wetterdienst). Dabei liegt die international gültige Referenzperiode 1961 bis 1990 zugrunde und der Wert für den Dezember ist noch vorläufig.

Das Jahr 2015 brachte es bundesweit auf eine Mitteltemperatur von 9,9 Grad und war damit um 1,7 Grad wärmer als zwischen 1961 und 1990 üblich. Im Vergleich zu den Jahren 1981 bis 2010 machte die Abweichung noch 1,1 Grad aus. Für eine Jahrestemperatur ist diese Abweichung erstaunlich. Ein höheres Mittel hatte lediglich das Jahr 2014 und ähnliche Mittel die Jahre 2000 und 2007. Über ganz Deutschland gemittelt gab es in den letzten 12 Monaten eine Regensumme von recht genau 700 l/m². Das sind 89 Prozent des langjährigen Mittelwerts. Die Sonne zeigte sich für 1735 Stunden, ein Überschuss von etwa 14 Prozent gegenüber den üblichen 1528 Stunden. Die langjährigen Mittelwerte werden fast nie exakt getroffen. Dennoch kann man das Jahr 2015 als trockener, sonniger und vor allem deutlich wärmer als im Mittel bilanzieren. Die hier genannten Werte für 2015 enthalten eine Prognose der letzten zwei Tage des Jahres, die endgültigen Werte können also noch geringfügig abweichen.

Nachdem der Winter im Vorjahr schon vielerorts ausgefallen war, zeigte sich auch der Winter 2014/15 nur sporadisch. Nach einem schon meist milden Dezember 2014 war es Mitte Januar 2015 sehr mild. Am 10. Januar 2015 konnten vor allem im Süden mancherorts Wärmerekorde verzeichnet werden. Dazu zeigte sich das Wetter unbeständig und zum Teil sehr windig. Ende Januar und Anfang Februar schneite es dann zumindest im Bergland ausreichend, während sich die weiße Pracht in den Niederungen nur kurz hielt. Immerhin erzielte der Februar nach vielen deutlich zu milden Wintermonaten eine normale Temperatur.

Das Frühjahr glänzte vor allem im März und April durch einige Hochdrucklagen mit frühlingshaften Temperaturen und viel Sonnenschein. Dennoch erlebten wir am 31. März mit Niklas den stärksten Sturm der Saison. Verbreitet gab es schwere Sturmböen oder orkanartige Böen, im Alpenvorland und auf den Bergen Orkanböen. Im Mai blieben Schönwetterphasen dann kurz und wurden am 5. und 13. von heftigen Gewittern abgelöst. Dabei gab es im Nordosten und im Süden Deutschlands auch Tornados.

Der erste Sommermonat, der Juni, verlief noch eher unscheinbar, im Norden etwas zu kühl, im Süden etwas zu warm. Im Juli und August drehte der Sommer dann richtig auf und wurde hinter den Sommern der Jahre 1947 und 2003 zum drittwärmsten Sommer seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen. Die stärkste Disziplin des vergangenen Sommers waren seine Spitzenwerte. An etwa einem Viertel der 182 hauptamtlichen Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes gab es neue Allzeit-Hitzerekorde, aufgestellt am 4. Juli, am 5. Juli und am 7. August. Aus keinem anderen Sommer stammen mehr Hitzerekorde. Dabei fiel die Wetterstation in Kitzingen besonders auf, hier wurden gleich an 2 Tagen 40,3 Grad erreicht, also ein Zehntel Grad mehr als der alte Deutschlandrekord. Der Rekord für die Anzahl der heißen Tage (Maximum von mindestens 30,0 Grad) stammt vielerorts noch aus dem Sommer 2003, vereinzelt auch aus anderen Sommern. In Bayern und im Osten liegt diesbezüglich jedoch häufig der Sommer 2015 auf Platz 1. Mitunter folgten auf die Hitze auch Gewitter, die vor allem am 5. und 7. Juli zum Teil heftig waren. Dabei konnten mehrmals sogenannte Superzellen mit lokal begrenzt auftretendem großen Hagel und Orkanböen beobachtet werden. Die schadensträchtigen Gewitterlagen im Mai und im Hochsommer dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Anzahl der Gewitter in diesem Jahr nicht besonders hoch war. Teilweise war es sogar extrem trocken. Vor allem zwischen Main und Donau wurde die Trockenheit im Sommer 2015 zu einem ernst zu nehmenden Problem.

Die Herbstmonate September und Oktober verliefen, von einer frühen winterlichen Episode Mitte Oktober abgesehen, recht unscheinbar und etwas kühler als im Mittel. Allerdings waren auch sie, wie zuvor alle Monate seit Februar, bundesweit betrachtet zu trocken. Erst der November brachte wieder überdurchschnittliche Niederschläge. Dabei war es bis 20. November ganz außergewöhnlich mild, so dass der November trotz einer deutlichen Abkühlung in seinem letzten Drittel noch zum wärmsten November seit Beginn der Wetterbeobachtungen wurde. Und letzteres gelang dann auch dem ersten Monat des aktuellen Winters, dem Dezember 2015. Der gerade zu Ende gehende Monat ist eigentlich sogar der außergewöhnlichste Monat des Jahres 2015 gewesen. Er war um 5,5 Grad wärmer als normal und ist damit seit Beginn der Wetteraufzeichnungen der Monat mit der größten positiven Temperaturabweichung. Den alten Rekord hielt der Februar 1990, er war um 5,3 Grad zu warm.

In der Nordosthälfte wird es Anfang Januar nun richtig Winter, dem Südwesten wird diese Jahreszeit höchstwahrscheinlich wieder einmal vorenthalten.

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Dr. Ingo Bertram
ARD-Wetterredaktion

Alle Wetterthemen

Darstellung: