Wetterthema | tagesschau.de

Wetterthema

14.12.2015

Sehr frühe Haselblüte

Der Winter hat noch gar nicht richtig begonnen, aber die Haselblüte läutet bereits den Frühling ein.

Aufgrund der extrem milden Witterung fliegen in den Niederungen mancherorts bereits die ersten Haselpollen – fast 8 Wochen früher als normal. Etwa 16 Prozent der Deutschen leidet unter einer Pollenallergie. Bei Heuschnupfen verursacht Blütenstaub von Bäumen, Sträuchern, Gräsern, und Kräutern beim Kontakt mit den Schleimhäuten Bindehautentzündungen, Niesattacken oder gar asthmatische Anfälle.

Die Pollenflugsaison startet in der Regel erst Ende Januar mit Erle und Haselpollen. Erst Anfang März ziehen dann verschieden Baumarten nach. Bis Mai ist dann eine breite Palette allergieauslösender Blütenpollen unterwegs, bis dann im Oktober auch die Brennnessel-Pollen verschwinden und die Betroffenen dann für ein paar Monate Ruhe haben.

Im Phänologischen Garten des Deutschen Wetterdienstes in Geisenheim am Mittelrhein werden die ersten Haselpollen dieser Saison aber bereits schon in diesen Tagen beobachtet. Im Mittel war dies innerhalb der vergangenen 30 Jahre erst um den 24. Januar herum der Fall. In 2010 waren die ersten Haselpollen nach dem kalten Winter erst am 26. Februar am Rhein in der Luft.

Da die Witterung im mitteleuropäischen Winter von Jahr zu Jahr großen Schwankungen unterworfen sein kann, reagieren auch die Pflanzen sehr flexibel auf die unterschiedlichen Temperaturbedingungen. So wurden in 2000 nach einem sehr milden Herbst bereits am 4. Dezember die ersten Haselpollen in Geisenheim nachgewiesen, nach den Strengwintern 1955/56 und 1962/63 konnten die Allergiker bis zum 17. März frei durchatmen.

In Folge des Klimawandels hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Vegetationsperiode vieler Pflanzen verlängert entsprechend setzt auch die Haselblüte immer früher ein. So liegt der mittlere Blühbeginn in Geisenheim zwischen 1949 und 2015 auf dem 5. Februar, also fast zwei Wochen später als innerhalb der vergangenen 30 Jahre beobachtet.

Die Verbreitung der Pollen ist wetterabhängig: Bei einsetzendem Regen werden weiter oben schwebende Pollen nach unten gedrückt und die Belastung steigt zunächst an. Nach dem reinigenden Regen sinkt die Pollenbelastung deutlich ab. Bei schwachem Wind ist die Verteilung der Pollen in Bodennähe am effektivsten und die Belastung am höchsten, bei Windstille fliegen keine Pollen und bei stärkerem Wind verteilen sie sich auch in höheren Schichten, wodurch die Konzentration etwas absinkt. Der Deutsche Wetterdienst gibt während der Saison eine täglich aktualisierte Pollenflugvorhersage für unterschiedliche Naturräume heraus.

Ab Mittwoch dürfte die Pollenbelastung jedoch von Westen her wieder zurückgehen, da ein atlantischer Tiefausläufer neue Regenfälle nach Deutschland bringt. Ein Wintereinbruch ist zwar weiterhin noch nicht in Sicht, die Pollenbelastung dürfte in den Niederschlagsgebieten damit aber zumindest vorübergehend zurückgehen.

Montag, 14. Dezember 2015

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

Alle Wetterthemen

Darstellung: