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Wetterthema

10.12.2015

Kaum Chancen auf Weiße Weihnacht

Noch zwei Wochen sind es bis Weihnachten. Die Prognosen der Wetter-Modelle rücken nun allmählich in den ernst zu nehmenden Trend-Bereich. Doch dieser Trend macht kaum Hoffnungen...

Die Frage brennt vielen unter den Nägeln: Gibt es Weiße Weihnachten? Alle sehnen sich nach einem weißen Heiligen Abend, mit sanft fallenden Flocken, einer frischen Schneedecke und ein paar Minusgraden, damit der Schnee auch nicht pappig wird.
Statistisch gesehen bewegen sich die Chancen für eine Weiße Weihnacht, also dass an wenigstens einem der Weihnachtstage 24., 25. und 26. Dezember eine geschlossene Schneedecke liegt, im Westen und Norden zwischen 10 und 40 % (10 % am Niederrhein, 40 % Prozent in Berlin oder Leipzig). Die Chancen steigen mit dem Wandern nach Süddeutschland und ins höhere Bergland: Rund 50% beträgt sie rund um Nürnberg, 60% in München und 90% in Oberstdorf. Wirklich schneesicher sind nur die Hochlagen der Alpen und die Gipfellagen des Bayerischen Waldes.

Schaut man sich einmal die vergangenen Weihnachtsfeste an, so ist vor allem das Weihnachtsfest 2010 in Erinnerung geblieben. Ganz Deutschland lag unter einer geschlossenen Schneedecke, selbst das sonst so milde Rheinland und auch die Nordseeinseln waren weiß. Zuvor gab es dies das letzte Mal im Jahr 1981. Dazwischen lagen also 29 Jahre. Nun wollen wir nicht hoffen, dass wir bis zum Jahr 2039 auf deutschlandweite Weiße Weihnachten warten müssen, doch die ersten Modell-Trends für das Fest verheißen nichts Gutes.

Unsere Grafik zeigt eine Ensemble-Prognose der Höchsttemperaturen für Dresden. Bei einem Ensemble handelt es sich um viele einzelne Modell-Läufe (hier als grau-schattierter Bereich), deren Anfangsbedingungen (Luftdruck, Temperatur, Bewölkung, Meeresoberflächentemperaturen,...) leicht variiert werden. Diese leichten Variationen am Anfang führen in der Zukunft zu immer größeren Differenzen zwischen den Einzellösungen. Dies liegt darin begründet, dass es sich beim Wetter um ein chaotisches System mit sehr vielen Faktoren handelt, die sich prinzipiell nicht beliebig weit und beliebig genau in die Zukunft vorhersagen lassen. Zudem werden in den Wettermodellen komplizierte physikalische und meteorologische Gleichungen verwendet, die teilweise vereinfacht werden müssen, da sonst die Rechenzeit über den Prognosezeitpunkt hinausgehen würde. Selbst der schnellste Hochleistungsrechner könnte die Gleichungen nicht bis ins Detail lösen und es ist auch nicht sinnvoll dies zu tun. Denn bereits am Anfang hat man ein Problem: Um es ganz genau zu machen, müsste man von jedem Punkt auf den Landmassen der Erde, von jedem Punkt auf den Meeren, von jedem Punkt in der gesamten Atmosphäre den Anfangszustand exakt bestimmen, nur damit man erst einmal den Anfangszustand der Erdatmosphäre ermittelt hat; eine schier unlösbare Aufgabe. Wir geben uns also mit einem teilweise bekannten Atmosphärenzustand zufrieden, stecken diesen in ein nicht ganz perfektes Wetter-Modell und bekommen dann einen ersten Weihnachtstrend für 2015.

Am heutigen Donnerstag gibt es in Dresden viel Sonnenschein bei rund 7°C. In den nächsten Tagen, so verrät es das Ensemble, ist nicht mit einem markanten Temperaturrückgang binnen einer Woche zu rechnen. Die Höchstwerte bleiben deutlich über dem langjährigen Mittel von 4°C. Erst ab dem Wochenende 19./20. Dezember nähern wir uns diesem Mittel an. Dennoch bleiben zahlreiche Modelläufe über dem Schnitt und zu stark sollte man sich auch nicht an die „kalten Lösungen“ klammern, denn sie bilden hier nicht nur die Ausreißer nach unten (Frostbereich), sondern werden oftmals im Laufe der Zeit wieder „rausgerechnet“; fallen also unter die Rubrik unsicher.
Ein paar Tage sind es bis zum Fest ja noch und vielleicht hat Petrus eine Überraschung parat, die dann wenigstens im Bergland für einen Winterhauch sorgen könnte.


10. Dezember 2015
Dipl.-Met. Michael Köckritz
ARD-Wetterredaktion

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