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Wetterthema

26.08.2013

Golfstrom

Wie beeinflusst der Golfstrom das Wetter in Deutschland?

Bewegt man sich mit dem Finger auf dem Globus von Frankfurt am Main entlang des 50. Breitengrades nach Westen, so gelangt man irgendwann nach Winnipeg in Kanada. Dort beträgt die Jahresmitteltemperatur 2,4 Grad, in Frankfurt dagegen 9,7 Grad. Wie kommt dieser Unterschied zustande.

Der Golfstrom befördert sehr warmes Oberflächenwasser aus dem Golf von Mexiko entlang der Nordamerikanischen Ostküste. Am Cape Hatteras vor North Carolina schwenkt er auf das offene Meer nach Nordosten über den Atlantik. Dort ändert er seinen Namen in Nordatlantikstrom. Im weiteren Verlauf zweigen verschiedene Strömungsäste nach Norden bzw. Süden ab. Der Hauptstrom führt nördlich an den Britischen Inseln vorbei entlang der norwegischen Küste bis ins Nordpolarmeer.

Mit einer Fördermenge von etwa 150 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde und einer Fließgeschwindigkeit von 2,5 Metern pro Sekunde ist er eine der stärksten Meeresströmungen der Welt. Um die notwendige Leistung hierfür aufzubringen würde man ungefähr 3 Millionen große Kernkraftwerke benötigen.

Der Golfstrom und der Nordatlantikstrom sind Teil eines weltumspannenden Systems von Meeresströmungen, welches durch Unterschiede in der Wassertemperatur und des Salzgehaltes angetrieben wird: Der sogenannten thermohalinen Zirkulation, die auch als globales Förderband bezeichnet wird. Südlich von Grönland sinkt sehr kaltes und salziges Oberflächenwasser aufgrund seiner hohen Dichte wie in einem Fahrstuhl bis in 4 km Tiefe ab.

Aufgrund der Sogwirkung wird oberflächennahes Wasser nachgezogen, wodurch der Golfstrom angetrieben wird. Das abgesunkene Tiefenwasser fließt entlang des Meeresbodens im Atlantik südwärts bis zur Antarktis und weiter in den Indischen und Pazifischen Ozean, wo es an verschiedenen Stellen wieder aufsteigt. Insgesamt bildet sich hierdurch ein globales Strömungssystem aus.

Das relativ warme Oberflächenwasser im östlichen Nordatlantik wirkt wie eine Warmwasserheizung für Europa. Hierdurch genießen wir in der Regel milde Winter, da die Luftströmungen aus Westen über das recht milde Meerwasser ziehen und sich dadurch erwärmen. Sogenannte Strengwinter gibt es in Deutschland nur in Verbindung mit einer östlichen Strömung, wenn kalte Kontinentalluft aus Russland nach Mitteleuropa vorstoßen kann.

Somit beträgt die durchschnittliche Temperatur im Januar in Winnipeg -18,3 Grad Celsius, in Frankfurt am Main 0,7 Grad Celsius und in Wolgograd in Russland auf etwa 49 Grad nördlicher Breite sind es wiederum -13,0 Grad Celsius.

Im Zuge der globalen Erwärmung wird eine Abschwächung des Nordatlantikstroms in Erwägung gezogen. Durch erhöhte Niederschläge im Bereich des absinkenden Meerwassers südlich von Grönland, oder auch durch zunehmenden Schmelzwassereintrag könnte sich der Salzgehalt dort absenken, wodurch die Dichte des Meerwassers ebenfalls sinken würde. Dadurch würde dieses wiederum nicht mehr so stark absinken, was letztendlich den Golfstrom abschwächen würde. Die Folge wäre eine Abkühlung in Europa oder eben eine etwas geringere Erwärmung verglichen mit anderen Regionen. Jedoch wird dieser Prozess nach heutiger Einschätzung erst ab einer so hohen Treibhausgaskonzentration wirksam, wie sie erst in über 100 Jahren zu erwarten ist.

Montag, 26. August 2013

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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