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Wetterthema

01.07.2013

Wassertemperatur und Wetter

Die Wassertemperaturen der umgebenden Meere prägen das hiesige Wetter und Klima entscheidend mit.

Die Wechselhaftigkeit des Mitteleuropäischen Wetters hat seine Ursache in den unterschiedlichen Luftmassen, die aus weit entfernten Regionen zu uns gelangen können. Das hat man in den vergangenen Wochen wieder einmal deutlich zu spüren bekommen.

Denn die heiße Sahara-Luft, welche vor knapp zwei Wochen nach Mitteleuropa strömte konnte über dem zentralen Mittelmeer, welches aktuell etwa 20 bis 23 Grad warm ist, noch reichlich Feuchtigkeit tanken wodurch es hierzulande extrem schwül wurde. Dagegen konnte sich die polare Kaltluft vergangene Woche auf ihrem Weg über die aktuell nur etwa 12 bis 15 Grad warme Nordsee nur geringfügig aufwärmen, weswegen es in hierzulande entsprechend kühl war.

Die Ozeane sind riesige Wärmespeicher, da einerseits das Wasser eine sehr hohe Wärmekapazität besitzt, d.h. es bedarf einer großen Energiemenge um seine Temperatur zu erhöhen, und andererseits eine riesige Wassermenge in den Weltmeeren vorhanden ist. Die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen beschränken sich jedoch auf die obersten etwa 50 bis 100 Meter, die sogenannte Mischungsschicht. Die Temperaturverteilung der tieferen Wasserschichten bleibt nahezu unverändert. Dadurch reagieren die Meere sehr träge auf die jahreszeitlichen Veränderungen der Sonneneinstrahlung und hinken dem Sonnenstand etwa 6 bis 8 Wochen hinterher.

Mittlerweile hat sich die Wassertemperatur im relativ kleinen und austauscharmen Mittelmeer auf Werte zwischen 20 Grad bei Gibraltar und 27 Grad in der Ägäis und bei Zypern erwärmt. Der Atlantik weist vor der portugiesischen Küste eine Wassertemperatur von nur etwa 18 bis 20 Grad auf. Auf der anderen Seite des „Großen Teichs“ ist das oberflächennahe Wasser vor der amerikanischen Ostküste dank des Golfstroms dagegen bis zu 28 Grad warm, im Golf von Mexiko sind es sogar bis über 30 Grad. Vor den Britischen Inseln und der französischen Atlantikküste beträgt die Wassertemperatur dagegen nur etwa 12 bis 15 Grad, im Golf von Biskaya sind es immerhin schon 18 bis 20 Grad. Dagegen dürften an Nord- und Ostsee bei 14 bis 15 Grad nur hartgesottene den Sprung ins kühle Nass wagen.

Durch Verdunstung bzw. Niederschlag und auch durch Wärmeflüsse wird ständig Energie zwischen Ozean und Atmosphäre ausgetauscht. Dadurch ist das küstennahe Klima auch deutlich ausgeglichener, als das Kontinentalklima, welches durch strenge Winter und heiße Sommer charakterisiert ist. An den deutschen Küsten beispielsweise ist strenger Frost im Winter sehr selten, da selbst im Winter die Wassertemperatur deutlich über dem Gefrierpunkt bleibt und dadurch die kältere Atmosphäre erwärmt. Im Sommer hingegen sind Wassertemperaturen von deutlich über 20 Grad sehr ungewöhnlich. Eine sommerliche Hitzewelle, wie vorvergangene Woche, wird somit an der Küste durch das kühlere Wasser deutlich abgemildert.

Montag, 1. Juli 2013

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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