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Wetterthema

27.06.2013

Siebenschläfer

Regnet es am Siebenschläfertag, es noch sieben Wochen regnen mag.

„Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag“ - was steckt hinter dieser Regel? Dürfen die Meteorologen nun sieben Wochen Urlaub machen oder ist da, wie bei manch anderen Bauernregeln auch nichts dran?

Weder noch, aber erst mal schön der Reihe nach. Der Name geht nicht auf das putzige Nagetier zurück, welches so lange Winterschlaf hält: Vielmehr wird am 27. Juni sieben frühchristlichen Gefährten gedacht, die sich der Legende nach vor römischen Verfolgern in eine Höhle flüchteten und dort eingemauert mehrere Jahrhunderte lang geschlafen haben sollen.

Das Alter der Legende gibt einen wichtigen Hinweis auf die Interpretation der Wetterregel. Denn zwischen 1582 und etwa 1750 wurde in Deutschland die Gregorianische Kalenderreform durchgeführt, in deren Folge 10 Tage übersprungen wurden und aus dem 27. Juni wurde somit der 7.Juli. Die Regel sollte also zumindest nicht streng auf 27. Juni bezogen werden, aber eben auch nicht auf den 7. Juli, zumal die Verschiebung des vorangegangenen Julianischen Kalenders auch schleichend vonstatten ging.

Vielmehr ist die Wetterentwicklung im gesamten Zeitraum zwischen Ende Juni und Anfang Juli von Bedeutung. Aus Beobachtungen der vergangenen Jahrzehnte geht hervor, dass sich häufig um diese Zeit eine Wetterlage etabliert, die dann auch in den darauf folgenden Wochen das Wetter in Mitteleuropa bestimmt. Entscheidend ist hierbei die Zugbahn der Tiefdruckgebiete. Verläuft sie weiter im Norden über Skandinavien, können wir hierzulande vermehrt beständiges und sonniges Hochdruckwetter genießen. Schaffen es die Tiefs jedoch weiter nach Süden, steht uns ein eher durchwachsener Sommer bevor.

Die Zugbahn der Tiefdruckgebiete wird vom sogenannten Jet Stream gesteuert, einem Starkwindband, das sich in etwa 10 km Höhe rund um die Erde schlängelt. Dessen Ausrichtung entscheidet über die großräumige Verteilung von Hoch und Tiefdruckgebieten. Über die Sommermonate verändert sich nun einerseits die Tageslänge nur wenig, andererseits variieren auch Meeresoberflächentemperaturen nicht sehr stark. Dies sind zwei wichtige Faktoren, welche unter anderem für die Ausrichtung des auch als Polarfront bezeichneten Jet Streams verantwortlich zeichnen.

Meteorologisch korrekter lautet die Siebenschläfer-Regel also: Zwischen Ende Juni und Anfang Juli stellt sich etwa in zwei von drei Jahren eine Großwetterlage ein, welche über den Sommer hinweg eine gewisse Erhaltungsneigung aufweist und somit in den darauf folgenden Wochen bis etwa Mitte August die Witterung in Mitteleuropa bestimmt. Dieses Muster ist jedoch in Norddeutschland nur schwach ausgeprägt, im Alpenvorland trifft die Regel dafür in etwa 80 Prozent der Jahre zu.

Und wie sieht es dieses Jahr aus? Aktuell wird das Wetter hierzulande von kühler und feuchter Meeresluft polaren Ursprungs bestimmt, welche Tief Petar über Südschweden zu uns lenkt. Dadurch liegt das Temperaturniveau in Deutschland etwa 5 bis 8 Grad unter dem jetzt üblichen Niveau, zudem ziehen immer wieder Schauer und auch kurze Gewitter durch. Ab Sonntag beruhigt sich jedoch das Wetter und in der ersten Juliwoche dehnt ein Ableger des Azorenhochs seinen Einfluss bis nach Mitteleuropa aus, so dass hierzulande die Sonne wieder häufiger zum Vorschein kommt und die Höchstwerte im Wochenverlauf über 25 Grad ansteigen. Nach der Siebenschläfer-Regel stehen die Chancen dann also gar nicht so schlecht, dass sich in den Folgewochen eine freundliche und sommerliche Witterungsperiode einstellt - also Kopf hoch!

Donnerstag, 27. Juni 2013

Tim Staeger
ARD-Wetterredaktion

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